Wie ein Londoner Auktionshaus durch Nonkonformismus glänzend ins Geschäft kam

Christopher Weston, Chef des Londoner Auktionshauses Phillips, kann zufrieden sein: „Die letzten Monate waren sicherlich die erfolgreichsten in unserer 180jährigen Geschichte. Fast jede Woche haben wir unsere eigenen Rekorde übertroffen, und die Zahl der Posten mit Verkaufspreisen über 1000 Pfund steigt in einem äußerst ermutigenden Tempo.“

Der Grund für diesen Erfolg steht für den glücklichen Auktionator außer Frage: „Es ist klar, daß unsere Entscheidung, keine Kommission für den Käufer einzuführen, von einer sehr großen Zahl von Verkäufern, vor allem Testamentsvollstreckern und Vermögensverwaltern, begrüßt worden ist.“

Phillips, Nummer drei unter den Londoner Kunsthäusern, erntet nun die Früchte seiner Entscheidung, nicht den beiden dominierenden Auktionsfirmen Sotheby’s und Christie’s zu folgen, die im Herbst eine Novität einführten: Zum erstenmal mußte der Käufer der von ihnen versteigerten französischen Impressionisten, chinesischen Vasen, englischen Möbel oder deutschen Waffen eine Kommission von zehn Prozent entrichten.

Bis dahin hatte lediglich der Verkäufer bezahlt: zehn Prozent für Gegenstände über 10 000 Pfund, bis zu 15 Prozent für Posten unter 500 Pfund. Die Staffel wurde abgeschafft und durch eine feste Gebühr von zehn Prozent ersetzt. Hinzu kam allerdings die Käufer-Kommission in gleicher Höhe.

Sotheby’s und Christie’s argumentierten, dieser Schritt sei angesichts der steigenden Kosten unvermeidlich geworden. Ohne eine Aufbesserung der Erträge müsse der Service leiden und damit auch letztlich die Anziehungskraft Londons als internationaler Platz für den Kunst-Umschlag. Mit einer Käufer-Kommission hole man im übrigen nur nach, was in fast allen anderen Ländern längst Gepflogenheit sei.

Die Gemeinde der Londoner Kunst-, Antiquitäten-, Buch- und Münzhändler sah das anders und protestierte. Die Empörung machte sich in einem beispiellosen Vorgang Luft: Silberhändler verließen auf einer Versteigerung bei Sotheby’s demonstrativ den Saal. Diese der Welt des Arbeitskonflikts entlehnte Verhaltensweise erschien den Demonstranten selbst unerhört. Aber sie hielten groben Käuferstreik auf feinem Parkett für das zeitgemäße Mittel, ihren Protest in der Öffentlichkeit bekanntzumachen.