Für die Börse war Aschermittwoch, bevor der Karneval in seine Schlußphase trat. Für einen allgemeinen Katzenjammer sorgte nämlich die Ankündigung der Klöckner-Werke, die Dividende ausfallen zu lassen. Auch wenn zahlreiche Börsianer hinterher behaupteten, das sei nun wirklich keine Überraschung gewesen – Tatsache bleibt, daß die Aktienkurse ein paar Tage kräftig geschüttelt wurden. Und das war gut so, weil ein Teil der Mitläufer überstürzt „Kasse“ machte. Sie sorgten für Kursabschläge, die Großanleger auf den Plan riefen. Zu Beginn dieser Woche war der Klöckner-Schock überwunden, mit den Aktienkursen ging es wieder aufwärts. Die Klöckner-Aktie selbst erholte sich von 123 auf 130 Mark.

Lebhafte Umsätze fanden in den Versorgungspapieren statt. Die Erklärungen des Managements auf der RWE-Hauptversammlung machten deutlich, daß der Stromverbrauch wieder steigt, so daß es nicht schwerfallen sollte, die von 8 auf 8,50 Mark erhöhte Dividende auch für 1975/76 beizubehalten. Der Dividendenabschlag wurde bei den RWE-Aktien fast völlig wieder aufgeholt. Mitgezogen wurden die Stromversorger der zweiten Linie, neuerdings auch die Aktien der Hamburgischen Electricitäts-Werke AG (HEW), die von der Rendite her interessant sind. Sie bringen für 1975 eine Dividende von wieder 6,50 Mark. Bei einem Kurs von 100 Mark entspricht das einer Rendite in gleicher Höhe. Wenn das Papier vergleichsweise billig ist, so sind das die Folgen der unfreundlichen Haltung des Großaktionärs (Hansestadt Hamburg) gegenüber den kleinen Anteilseignern, die dazu führte, daß HEW-Aktien nach und nach aus allen Investment-Portefeuilles verschwanden. Inzwischen scheinen einige Fonds ihre grundsätzlichen Bedenken zurückgestellt zu haben. Da für 1976 bei HEW mit steigenden Erträgen zu rechnen ist und wohl auch eine Kapitalerhöhung notwendig wird, könnte das Börsenklima für die HEW-Aktien verbessert werden, wenn man – wie schon früher einmal – frühzeitig für 1976 einen Bonus zur Dividende in Aussicht stellt.

Wachsende Umsätze zu steigenden Kursen sind auch bei den Preussag-Aktien zu beobachten. Die Papiere werden von einigen „Informationsdiensten“ in die Gruppe sogenannter Rohstoff-Aktien eingereiht, deren Chancen mit den steigenden Rohstoffpreisen wachsen. Das läßt den 1975 eingetretenen Gewinnrückgang vergessen. An der Börse geht man von einer unveränderten Dividende (sieben Mark) aus. Was bei der Preussag-Aktie gelegentlich übersehen wird, ist der Umstand, daß sich der Kurs von knapp 160 Mark noch auf die 100-Mark-Aktie bezieht. Wird das Papier eines Tages auf die 50-Mark-Notiz umgestellt, würde die Preussag-Aktie – von heute aus gesehen – mit „nur“ 80 Mark gehandelt werden. Damit wäre sie um 20 Mark billiger als die AEG-Aktie, bei der es vorläufig keine Dividende geben wird.

Bei den Aktien der Luftfahrt-Unternehmen ist die spekulative Welle abgeflaut. Die Lufthansa, das hat der Vorstand inzwischen bestätigt, wird 1975 mit einem kleinen Gewinn abschließen. Er resultiert vor allem aus dem Überschuß der Tochter „Condor“ sowie aus den anderen geschäftlichen Aktivitäten (Catering und technische Dienste). K. W.