ARD, Freitag, 27. Februar: "Ein gründlich motivierter Mord"

Er brauchte keinen Namen. Er bestand aus einem Mantel und aus einem ausgesucht verwirrenden Bündel von Courtoisie, Schlafmützigkeit und Naivität; er konnte ganz fabelhaft staunen, Komplimente machen, hilflos sein. Sobald der Bösewicht gezeichnet war – stets ein adrett gekleideter, gut frisierter, unverschämt schlauer Bügelfaltentyp von ausgesuchter Arroganz; man konnte noch sein Eau de Cologne vom Bildschirm spüren – da trat er auf. Es war ein Maskenspiel: Der Schurke protzte mit seiner Cleverness, sein Gegenspieler mit seiner Harmlosigkeit. Der eine ein Lump mit Millionen, der andere ein Millionär in Lumpen, nur daß sein wirkliches Kapital nicht auf der Bank lag, sondern in seinem Kopf steckte, denn er kann selbstverständlich denken und kombinieren. Nur sagte er niemals "Kombiniere ...", er gab sich anders zu erkennen. Und daß die folgenden Sätze, die er sprach, in der letzten, der neunzehnten Folge seiner erfolgreichen Kriminalserie gefallen sind, tut nichts zur Sache: Sie fielen so und ähnlich jedesmal. "Hören Sie eigentlich zu, Inspektor?"

"Ach, entschuldigen Sie, Sir!"

"Ach, ich weiß das zu schätzen, bestimmt..."

"Ich habe noch nie einen so tollen Vorführraum gesehen, Donnerwetter!"

"Also, um ganz ehrlich zu sein ..."

"Wenn Sie Zeit haben, würde ich gern noch eine persönliche Bemerkung machen."