Daß zukünftig auf den Zigarettenschachteln Warnungen vor dem Nikotin stehen sollen, ist ein Höhepunkt des Widerspruchs: Hier hast du zwanzig Zigaretten, steck sie ein, doch steck sie nicht an! Hier hast du zwanzigmal Gelegenheit zu rauchen, doch laß es lieber!

Der Mensch, der zum ersten Male die Gegensätze des „Ja“ und des „Nein“ zu einem „Jein“ vereinte, hat recht gehabt. Zugleich haben wir es mit der praktischen Lösung des Problems zu tun, einen Pelz zu waschen, ohne ihn naß zu machen. So gesehen, ist die Methode, einen Gegenstand zu verkaufen und gleichzeitig vor ihm zu warnen, ein Fortschritt, da das, was bisher unmöglich war, jetzt möglich ist.

Zwar ist das Verfahren in hohem Maße unchristlich, da es ja im „Vaterunser“ heißt: „Und führe uns nicht in Versuchung“, denn der Mensch, der Zigaretten besitzt, ist auch versucht, sie zu rauchen. Doch liegt hier auch eine Möglichkeit vor, den Charakter des lieben Nächsten zu stärken, indem ihm nahegelegt wird, eine vorhandene Gelegenheit nicht auszunutzen. Ein solcher Mensch kauft Zigaretten, liest die Packung und wirft sie samt ihrem Inhalt weg. „Sich selbst besiegen, ist der größte Sieg!“ Stolz geht er dahin in dem Gefühl, den Sternen nahe zu sein.

Andererseits haben mir Tiere immer leid getan, bei denen stand: „Vorsicht, bissiger Hund!“ oder „Achtung, Pferd schlägt!“ oder „Lama spuckt!“ Sie waren gezeichnet. Sie forderten zum Mißtrauen heraus, ohne es selber zu wissen. Und vermutlich haben die deutlich zutage tretende Ängstlichkeit der lesekundigen Menschen und ihre Vorsicht nach der Lektüre der Hunde-, Pferde- oder Lama-Inschrift die betreffenden Tiere darin bestärkt, jetzt erst recht zu beißen, auszuschlagen oder zu spucken.

Natürlich fällt mir nicht ein, diese animalischen Empfindungen auf leblose Gegenstände, wie Zigaretten es sind, zu übertragen. Denn schließlich geht es um Menschen. Diese Menschen, welche Zigaretten herstellen und verkaufen, sind mit Seelen versehen und daher fähig, Schmerz zu empfinden und unter Mißachtung zu leiden. Wie können sie in der Frühe noch fröhlich ihr Morgengebet verrichten und zur Fabrik oder hinter den Ladentisch eilen, wenn die .Arbeit, die sie tun, schon durch die Verpackung der hergestellten Ware öffentlich desavouiert wird?

Ich weiß, man pflegt Menschen in „Raucher“ und „Nichtraucher“ einzuteilen. Zu dieser letzten Gruppe gehöre ich seit einigen Jahren selber. Ich weiß ferner – und zwar von einem bedeutenden Arzt –, daß es Leute gibt, denen es nicht unbedingt schlecht bekommt, wenn sie „wie die Schlote qualmen“. Ich weiß aber auch, daß erschreckend viele Ehen, wenn nicht unglücklich, so doch nicht glücklich sind. An dieser Stelle angekommen, erhebe ich meine Stimme und rufe: Wenn der Staat verlangt, daß auf Zigarettenschachteln vor den schlimmen Folgen des Nikotins gewarnt werde, dann möge er vor den Standesämtern Plakate aufstellen, die ebenfalls auf die Gefahr hinweisen, denen ein Brautpaar sich aussetzt. Und wenn es nur das bekannte Wort des Apostel Paulus über das Heiraten ist.

Es ist ein sehr pessimistisches Wort und lautet in unserem Falle: Rauche! Es ist vom Übel. (Für deine Gesundheit.) Rauche nicht! Es ist vom Übel! (Für das Finanzamt, den Arbeitsmarkt und Tabakpflücker in Dritten Ländern.) Rauch oder rauche nicht. Es ist vom Übel!