In der vorigen Woche wurde im deutschen Fernsehen die Sitzung des Sejm gezeigt, in der das polnische Parlament über die neue Verfassung abstimmte, hinter der die Polen die Hand des großen Bruders sehen. Proteste der Studenten in Warschau, der Textilarbeiter in Lodz, zornige Briefe mit Hunderten von Unterschriften waren vorangegangen. Als bei der Abstimmung die Frage gestellt wurde: „Wer ist dafür?“, gingen alle Arme hoch. „Wer ist dagegen?“ – nichts geschah. „Und wer enthält sich der Stimme?“ – ein einziger Arm erhob sich. In diesem Moment spürte jedermann die ungeheure Verlassenheit, die sich um Stanislaw Stomma, den Abgeordneten der Znak-Gruppe, ausbreitete. Als dann die Nationalhymne gesungen wurde, war er wieder der einzige, der mit gesenktem Kopf dastand, ohne die Lippen zu bewegen. Im neuen Parlament, so wurde jetzt mitgeteilt, wird es für ihn keinen Platz mehr geben.

In Polen wird Stomma jetzt Rejtan genannt, nach jenem Abgeordneten, der aus Protest gegen die von den Russen geforderte Legalisierung der polnischen Teilung im Jahr 1773 36 Stunden lang auf der Schwelle des Parlaments lag, um die Abgeordneten daran zu hindern, das Gebäude zu betreten. Der Tag wird kommen, an dem eine Tafel das Haus markiert, in dem Stomma am alten Markt in Warschau wohnt. Nur, der weißhaarige Grand Monsieur wird das nicht mehr erleben.

Dff.