Der Kabeljaukrieg zwischen Island und Großbritannien ist noch nicht beendet, da zeichnet sich schon der nächste Fischereikonflikt ab. Und wieder wird Großbritannien daran beteiligt sein.

Anlaß für den Streit, zu dem die ersten Vorgeplänkel am Montag im Ministerrat der EG geführt wurden, sind die Vorschläge der EG-Kommission zur Lösung der Probleme, die sich für die Gemeinschaft aus einer allgemeinen Einführung von 200-Seemeilen-Wirtschaftszonen auf der Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen ergeben.

Nach Ansicht der Kommission sollten die Länder der Gemeinschaft gemeinsam vorgehen. Vorgeschlagen wird:

  • Die Fischerei in den europäischen Gewässern der Verwaltung der Gemeinschaft zu unterstellen,
  • die Gemeinschaft zu Verhandlungen über Fischereirechte mit Drittländern zu ermächtigen und
  • die EG als Vertragspartei auf der Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen auftreten zu lassen.

72 Prozent des Fischfangs der Gemeinschaft (1975 insgesamt etwa 4,5 Millionen Tonnen) erfolgt in Gewässern, deren Rechtsstatus sich mit der Ausdehnung auf 200 Seemeilen ändert. Wie hoch die Verluste für die Fischerei der EG sein werden, läßt sich nicht abschätzen, bevor die Verhandlungen mit Norwegen oder Island über Fangrechte geführt worden sind.

Die Kommission hat sich bei ihrem Vorschlag davon leiten lassen, daß die Verluste der EG-Fischer von allen gemeinsam getragen werden müßten. Aus diesem Grund sollten auch die exklusiven Rechte der nationalen Küstenfischerei nicht über zwölf Seemeilen ausgedehnt werden.

Die britische Fischerei-Industrie hat dagegen schon seit langem die Forderung nach einer 100-Seemeilen-Zone aufgestellt. Großbritanniens Außenminister Callaghan machte deshalb gegenüber den Kommissionsvorschlägen generelle Vorbehalte und lehnte insbesondere eine 12-Seemeilen-Zone als unzureichend ab, vermied es allerdings, von 100 Seemeilen zu sprechen.

Mit der Forderung nach einem „extensiven Küstengürtel“, die nur noch von Irland unterstützt wurde, setzte er wie schon bei früheren Gelegenheiten britische Interessen über die der Gemeinschaft. Dazu ein Funktionär der Gemeinschaft: „Im Umkreis von 100 Seemeilen um die britischen Inseln wollen die Engländer ihre künftigen Verluste in Island und Norwegen ausgleichen, der Rest der EG kann dann unter sich aufteilen, was übrigbleibt.“ hhb