Jeder dritte Bundesbürger würde gern einmal Urlaub auf dem Bauernhof machen/ Von Ferdinand Ranft

Vom idealen Bauernhof haben die Urlauber ziemlich präzise Vorstellungen. Man erwartet einen großen, der Landschaft angepaßten Hof, den Holzbalkone und Blumenkästen zieren. Es sollte dem Charakter nach ein alter Hof sein, umgeben von einem Garten oder Wiesen. Stall und Scheune runden das Traumbild ab. An Komfort erhofft man sich ausreichende sanitäre Anlagen und eine dem ländlichen Stil angepaßte Einrichtung, am liebsten Bauernmöbel. Und der Hof sollte nicht im Zentrum des Dorfes liegen, sondern mitten in der Landschaft, von Wiesen und Feldern umgeben. Dieses Bild des idealen Bauernhofs kristallisierte sich bei einer Urlauberbefragung heraus, die Michaela Rödling in der Schriftenreihe für Tourismusforschung des Studienkreises für Tourismus veröffentlichte.

Die Schrift "Urlaub auf dem Bauernhof" gut auch gleich die Antwort, wie sich denn nun Ideal und Wirklichkeit zueinander verhalten. Immerhin: Für fast 60 Prozent der Bauernhof-Urlauber waren Wunsch und-Realität identisch. Die übrigen bemängelten:

  • Falsch verstandene Modernisierung der Zimmer (statt der erwarteten Bauernmöbel gab es Kunststoff in allen Variationen);
  • Monotonie (keine Gasthäuser in der Nähe, keine Schwimmbäder, keine kulturellen Veranstaltungen);
  • Konflikte mit den bäuerlichen Gastgebern;
  • mangelnden Kontakt zur Bauernfamilie (man wollte am Leben der Bauernfamilie teilnehmen, bei der Heuernte mitarbeiten; statt dessen gab es kaum Gespräche, keine Mitarbeit auf dem Hof, man mußte die Zimmer selber aufräumen und putzen).
  • Besser als erwartet waren dagegen die sanitären Einrichtungen, sie wurden nur von 3 Prozent der Befragten als unzureichend empfunden.

Das Problem des Bauernhofurlaubs scheint also vor allem darin zu liegen, daß die richtigen Leute auch den für sie passenden Hof finden. Da es allein in der Bundesrepublik fast 24 000 bäuerliche Betriebe mit rund 100 000 Gästebetten gibt, dürfte klar sein, daß die Auswahl einer Sisyphusarbeit sehr nahe kommt. Rechnet man noch die vielen Tausend Bauernhöfe in Österreich, Dänemark, Schweden, Finnland, Frankreich und Belgien hinzu (deren wichtigste Verzeichnisse wir auf der folgenden Seite veröffentlichen), dann kann der zukünftige Bauernhofurlauber vor Reiseantritt gut und gerne ein paar Kilo Prospekte studieren.

Tröstlich mag für ihn allenfalls sein, daß der Informationsgehalt der Bauernhofkataloge wesentlich besser geworden ist. Im Verzeichnis "Urlaub auf dem Bauernhof in Österreich", herausgegeben von den österreichischen Sparkassen, findet man beispielsweise Angaben über die Entfernung zum nächsten Gasthof, über Heizung, Spielplätze, Schwimmbäder, Jagd- und Angelmöglichkeiten, Radio und Fernsehen, Tierbestand und Reitpferde, und natürlich die Preise. Trotzdem wäre der Urlauber gut beraten, wenn er sich nach einer Vorauswahl direkt mit den Vermietern in Verbindung setzen würde, um Einzelheiten über das zukünftige Ferienquartier zu erfragen, sich vielleicht auch ein Photo schicken zu lassen.

Ein Bauernbett für sieben Mark