Paradoxer ist noch keine Schau gewesen, seit es einen regulären Kunstbetrieb mit eingespielten Selbstverständlichkeiten gibt. Die Spielregeln werden alle peinlichst beachtet, aber auf den Kopf gestellt: ein Museum, das sich der Kunsteinrichtungen, in denen es gastiert, wie einer Travestie bedient; eine didaktische Ausstellung, die mit Schrifttafeln, Photos, Dokumenten, Porträts vorantrippelt, dann jäh springt und allen didaktischen Zugang verlacht; ein Labyrinth apokrypher Gedankengänge, aufgebaut als Kabinettfolge von archivarischer Strenge.

Harald Szeemann, unter anderem Initiator der „Attitüden“ und der „Individuellen Mythologien“ auf der letzten documenta, hat den Satz des Ideen-Künstlers Keith Sonnier „Lebe in deinem Kopf!“ stets als subversives Leitmotiv aufgefaßt; und er hat sich stets als einen Ausstellungskünstler gesehen, der nicht so sehr Kunstwerke in einer Ausstellung als vielmehr ein Gesamtkunstwerk Ausstellung präsentiert. Beide Antriebe führten nun zusammen zur Ausstellung „Junggesellenmaschinen“, deren jede ja ein Gesamtkunstwerk ist, das im Kopfe bleibt.

Sie bildet den ersten Teil des von Szeemann geplanten imaginären „Museums der Obsessionen“, das die Gegenparts „la Mamma“ und „die Sonne“ enthalten soll. Die Schau läuft zwar durch große europäische Häuser, aber sie wird nicht subventioniert, sondern durch Beleihung, durch Kredite und Spenden von Szeemann selber vorfinanziert: Auch das ist ein Unikum. In der Bundesrepublik ist die Ausstellung nur in der Kunsthalle Düsseldorf zu sehen.

Was ist nun eigentlich eine Junggesellenmaschine? Es scheint ganz offenbar ein Feldbegriff zu sein, zwar im einzelnen Fall dingfest zu machen, global aber so schwer zu definieren wie etwa die Kunst oder die Liebe.

Nach einem rheinisch-fröhlichen Auftakt mit phantastischen Autos wird der Betrachter an Hand von Photos, Postkarten und Gouachen an Tantra erinnert, an die Geburt der Pallas Athene und die Unbefleckte Empfängnis, an das Zölibat der Shaker und die Menschenähnlichkeit der Maschine von Gulliver bis zu Modern Times, an Androide von „Frankenstein“ bis „Metropolis“, an Leonardo und die „Femme fatale“ nach dem Bilde von Edvard Munch.

Diese historischen Andeutungen geben den Rahmen für „das Große Glas“ von Marcel Duchamp ab, dessen unterer Teil (einem mechanischen Schlagzeug ähnlich) „Junggesellenmaschinen“, dessen oberer Teil (ein freischwebendes Gebilde) „die Braut“ heißt. Die Reproduktion ist optisch recht unergiebig; gleiches gilt von den zahlreichen Beigaben, späten Duplikaten zumeist. Seit Duchamps anregende Wirkung nach den letzten zwei Dezennien allmählich erschöpft scheint, muten seine „Werke“ wie verblassende Indizien an.

Das Große Glas, betitelt „die Braut, von ihren Junggesellen nackt entblößt, sogar“, nimmt hier deshalb einen zentralen Platz ein, weil Michel Carrouges in einer Publikation 1954 davon den Mythos der Junggesellenmaschinen abgeleitet hat. Er entdeckte Beziehungen zu literarischen Maschinen-Erfindungen von Alfred Jarry („Der Supermann“), Raymond Roussel („Locus Solus“) und Franz Kafka („In der Strafkolonie“), durchweg Maschinen, die Mechanik und Erotik vereinen. Der Bastler und Zeichner Jacques Carelman hat die minuziösen Beschreibungen der Autoren in Metall und Plexiglas umgesetzt, sehr glatt und bar aller materiellen Phantasie; am ehesten noch weckt die Foltermaschine nach Kafka den Eindruck, als sei sie einmal in Gebrauch gewesen: Verurteilten wurde darin das Gebot, das sie verletzt hatten, von einer Egge in den Körper geriet,