Von Rainer Frenkel

Mitte 1975 hatten deutsche Direktinvestitionen im Ausland einen Bestand von fast 28 Milliarden Mark erreicht. Davon liegt ein Drittel in Entwicklungsländern. Die DEG fördert durch Beteiligungungen und Darlehen Investitionen vor allem in solchen Entwicklungsländern, die nicht ohnehin – wie Lateinamerika – Schwerpunktgebiete des deutschen Kapitalexports sind. Fast die Hälfte des DEG-Engagements konzentriert sich auf Afrika, ein Viertel auf Asien, also auf Länder mit besonders niedrigem Pro-Kopf-Einkommen. Gefördert werden vornehmlich mittelständische deutsche Unternehmen aus personalintensiv arbeitenden Branchen. 1975 gingen 28 Prozent der Zusagen von insgesamt 85 Millionen Mark an Firmen der Textil- und Bekleidungsindustrie, zehn Prozent in die Elektrotechnik; jeweils zwischen fünf und zehn Prozent erhielten Unternehmen des Maschinen- und Fahrzeugbaus, der Branchengruppe Holz-Papier-Druck und der Metallerzeugung und -bearbeitung.

Karl-Heinz Sohn ist ein Glückskind. Er bekommt, so scheint es, was er will. Achtzig Millionen Mark ziemlich bald, weitere hundert noch in diesem Jahr. Bonns neuerdings doch so sparsame Haushaltsplans sind nicht kleinlich, wenn es, wie in diesen Tagen, wieder einmal um die Ausrüstung der von Sohn geführten Deutschen Entwicklungsgesellschaft (DEG) mit zusätzlichem Eigenkapital geht.

Dabei ist die Ausstattung des bundeseigenen Unternehmens schon jetzt nicht gerade dürftig. 420 Millionen Mark stehen als Stammkapital in der Bilanz, soviel wie bei Bosch, Deutschlands zweitgrößter GmbH. Und bald wird auch die Krupp GmbH mit ihren 500 Millionen überflügelt sein.

Was sich hinter den Namen Krupp und Bosch verbirgt, ist weitläufig bekannt: was die DEG mit ihrem Geld tut, nämlich private Investitionen in Entwicklungsländern zu fördern, schon weniger. Daß sich das bald ändert – man kann es getrost unterstellen –, dafür wird Karl-Heinz Sohn sorgen. Ein Mann, der Lässigkeit und Charme gezielt einzusetzen weiß, der nach mancherlei anderen Aufgaben, die auch nicht schlecht waren, in aller Einfachheit seine gegenwärtige Tätigkeit so etikettiert: "Dies ist eine der interessantesten Positionen, die in der Bundesrepublik zu vergeben sind."

Das, was Sohn für seinen Job so einnimmt, nennt er die "Zwitterstellung" der DEG. Gemeint ist die "höchst nützliche" Verknüpfung von Politik und Wirtschaft in seinem Unternehmen. Denn die DEG ist zwar eine bundeseigene gemeinnützige Gesellschaft, doch ihre Rechtsform ist privat, ihre Arbeitsweise – in Grenzen – ökonomisch. Das Ergebnis: Verluste kommen nicht vor, im Gegenteil.

Wenn man so will, ist die DEG eine Bank. Ihre Aufgabe ist, deutschen, vornehmlich mittelständischen Unternehmen bei Investitionen in Entwicklungsländern auf jede erdenkliche oder gewünschte Weise unter die Arme zu greifen; von der Investitionsplanung über die – vorübergehende – unternehmerische Beteiligung am Risiko bis hin zur politischen Schützenhilfe im Ausland.