Die Memoiren des ehemaligen Kammerdieners Josef Hampl über seine Erfahrungen bei dem Erbprinzen Johannes von Thurn und Taxis sind noch nicht einmal fertig geschrieben, aber schon beschäftigen sie die Justiz. Nachdem der Prinz Einspruch erhoben hat, worüber noch nicht entschieden ist – wir berichteten vor zwei Wochen darüber –, mußte jetzt auch Frau Julia von Siemens gegen die Schlüsselloch-Memoiren des Dieners vorgehen. In der letzten Woche ging es vor dem Landgericht in München um ihren Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung wegen Unterlassung.

In dem Manuskript des Buches „Durchlaucht, es ist angerichtet“ schreibt der Diener, daß Frau von Siemens als Gast des Erbprinzen, obwohl sie bei ihm für 200 Mark Kaviar gegessen hat, dem Diener nur 50 Pfennig Trinkgeld gegeben hätte. Gegen diese Behauptung setzt sich Julia von Siemens zur Wehr. „Ich esse sowieso nicht gerne Kaviar“, erklärte sie an Eides Statt.

Daß Sparsamkeit und das einfache Leben auch heute noch eine Tugend sein können, wird aus dem Schriftsatz, mit dem der Anwalt von Julia von Siemens den Antrag auf einstweilige Verfügung begründet, deutlich.

Anwalt Berthold schreibt:

„500 Gramm Kaviar kosten im Delikateßgeschäft etwa 200 bis 230 Mark. Demnach hätte die Antragstellerin (Julia von Siemens, die Redaktion) bei S. D. Thurn und Taxis gleich ein ganzes Pfund Kaviar hinuntergewürgt.

Die Antragstellerin hätte es noch hingenommen, wenn ihr lediglich in der Angelegenheit der angeblichen 50 Pfennig Trinkgeld Sparsamkeit oder Geiz vorgeworfen wäre, obwohl auch diese Geschichte frei erfunden ist.

Sie kann es aber nicht hinnehmen, daß in der Öffentlichkeit verbreitet wird, daß sie für 200 Mark Kaviar ißt. Wenn bei einer privaten Einladung der Kaviar schon 200 Mark kostet, so muß es sich auch dem Umfang nach um einen großen Anfall von Gefräßigkeit gehandelt haben.