Schlechtes Image ist schlimm. Besonders schlimm bei Unternehmen, die für Sicherheit und Gesundheit ihrer Kunden verantwortlich sind – wie etwa Fluggesellschaften. Spaniens private Chartergesellschaft Spantax hat mit diesem Problem seit Jahren zu kämpfen. Die spektakuläre Fehllandung auf einem kleinen Werksflughafen auf der Elbinsel Finkenwerder – eigentlich war Hamburg-Fuhlsbüttel angepeilt – verflüchtigte sich gerade aus dem Bewußtsein der Öffentlichkeit, da stürzte, kurz vor dem Weihnachtsfest 1972, eine Spantax-Maschine auf Teneriffa ab, 155 Passagiere kamen ums Leben.

Doch auch dieser Rückschlag konnte verkraftet werden. Unter den ausländischen Bedarfsfluggesellschaften gilt die Spantax heute als eine der pünktlichsten. Namhafte deutsche Reiseveranstalter, wie Neckermann, TUI und Gut-Reisen, haben keine Bedenken, ihre Gäste in Spantax-Maschinen klettern zu lassen.

Doch jetzt drohen einige Eimer Mayonnaise, den mühsam zurückgewonnenen Ruf wieder ins Negative zu drängen. Die Lebensmittel stammen aus der Spantax-Küche in Las Palmas, und Mediziner vermuten in ihnen die Erreger für die Lebensmittelvergiftung, an der mehrere Fluggäste aus Deutschland und Finnland starben. Nachdem das vergiftete Essen drei Tage lang serviert worden war, sich Krankheitsmeldungen plötzlich häuften und erste Todesfälle zu beklagen waren, schaltete sich die spanische Gesundheitsbehörde ein, schloß die Küche und beschlagnahmte alle Vorräte. Der Verdacht einer Salmonellen-Infektion wurde bestätigt.

„Das Catering (Fachausdruck für sämtliche Verpflegungsleistungen an Bord) stellt uns im Ausland oft vor Probleme“, weiß Monika Göbel, Sprecherin der Condor, zu berichten. „Da geht es oft etwas anders zu als bei uns!“ Um sich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen, nimmt Deutschlands größte Charterfluggesellschaft Drinks und Snacks möglichst zu Hause an Bord. Bei längeren Strecken oder kleineren Maschinen ist das jedoch nicht immer möglich. In diesen Fällen muß vor dem Rückflug nachgeladen werden. Man verpflichtet unabhängige Catering-Firmen als Vertragspartner. Zur Gewährleistung der vereinbarten Qualität und Quantität werden ständig Kontrollen durchgeführt. Trotzdem, so wird von fast allen Airlines bestätigt, können bakterielle Infektionen nie völlig ausgeschlossen werden. Bavaria und Germanair mußten bereits ein Catering-Unternehmen auswechseln, weil deutliche Mängel in der Hygiene erkennbar waren. Eine eigene Küche – wie bei Spantax – kommt für sie nicht in Betracht, denn, so ein Bavaria-Sprecher: „Jede Fluggesellschaft muß selbst wissen, ob sie die Möglichkeiten hat, ihre Gäste einwandfrei zu versorgen. Wir verlassen uns lieber auf die Lufthansa Service GmbH!“

Werner Dageför