Die deutsche Investment-Branche rechnet 1976 mit einem Absatz von Zertifikaten im Wert von rund zwei Milliarden Mark. Das wäre ein Viertel mehr als im vergangenen Jahr. Voraussetzung für diesen Absatzerfolg wäre allerdings eine „gute Börse“. Steigen die Aktienkurse, geht es nach bisherigen Erfahrungen auch den Investment-Fonds gut. Nahezu sämtliche Fonds-Manager sind gegenwärtig der Meinung, daß die internationale Hausse – von Land zu Land verschieden – noch weitergehen wird. Solche Äußerungen wollen nicht allzuviel heißen, denn Optimismus gehört zum Berufsbild eines jeden, der Investment-Anteile verkaufen will. Vor dem Hintergrund, daß die deutschen Aktienfonds einen hohen Grad ihrer Vermögen in Aktien angelegt haben, erscheint die Zuversicht der Manager aber glaubwürdig.

Auf der anderen Seite läßt der hohe „Investitionsgrad“ der Fonds auch einen anderen Schluß zu: Von ihrer Seite sind höchstens nur noch milde Impulse für die Fortsetzung der Aufwärtsbewegung zu erwarten. Der größte Teil ihres Pulvers ist verschossen. Neuanlagen können nur noch im Rahmen des üblichen Mittelzuflusses gemacht werden. Das wären in diesem Jahr also rund 500 Millionen Mark. Berücksichtigt man, daß dieser Betrag durch zwei Kapitalerhöhungen üblicher Größenordnung absorbiert wird, ist den Fonds für 1976 nicht viel Schubkraft mehr zuzutrauen.

Natürlich sind die Fonds an den Börsen nicht untätig. Erhebliche Umsätze gibt es gegenwärtig durch Umschichtungen. Dazu ein Anlagemanager: „1975 war das Jahr der Aktie, 1976 wird ein Jahr einzelner Aktien.“ Für die Fonds kommt es mehr denn je darauf an, die „richtigen“ Aktien im Portefeuille zu haben. Im vergangenen Jahr spielte sich die Hausse vornehmlich in den großen Standardwerten (wie Siemens, Mannesmann, Großbank-Aktien) ab. Kommen jetzt die Spezialwerte an die Reihe? Darauf hofft Fondak, ein Fonds der ADIG, der jahrelang wegen seines hohen Anteils erstklassiger Spezialwerte ausgezeichnete Leistungen aufzuweisen hatte, 1975 aber gegenüber anderen großen Publikumfonds ins Hintertreffen geriet.

Auf der Suche nach Aktien mit den größten Kursreserven stießen alle Fonds gemeinsam auf die Chemie-Aktien. Hier wurden in letzter Zeit beträchtliche Zukäufe vorgenommen. Das erklärt den stetigen Anstieg von BASF, Bayer und Hoechst. Unterschiedliche Ansichten herrschen lediglich darüber, welcher von den drei genannten Aktien der Vorzug zu geben ist. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß bei Entscheidungen für den einen oder anderen Chemie-Konzern gelegentlich auch die Hausbank-Beziehungen der Gesellschafterbanken eine Rolle spielen.

Ähnliche Peinlichkeiten gibt es übrigens im Banken-Portefeuille der Investment-Fonds. So ist beim Concentra-Fonds die Muttergesellschaft Dresdner Bank mit einem Anteil von sieben Prozent des Fonds-Vermögens am besten repräsentiert. Beim Fonds Investa, der maßgeblich Ton der Deutschen Bank gesteuert wird, stehen im Banken-Portefeuille natürlich Deutsche Bank-Aktien mit einem Anteil von 7,5 Prozent an erster Stelle. Mutter ist eben immer die Beste

Bei der Beurteilung der Kurschancen der Bank-Aktien kam man zu unterschiedlichen Ergebnissen. Bei Concentra wurde der Anteil der Bank-Aktien im letzten Quartal 1975 deutlich verringert, bei Investa leicht aufgestockt. Kräftiger zugekauft hat der Unifonds, was sich rückblickend gesehen als falsch erwiesen hat. Großbank-Aktien liegen seit Wochen unter Druck, obwohl beispielsweise bei der Commerzbank und der Dresdner Bank Dividendenerhöhungen ins Haus stehen. Entscheidend für die kritischere Beurteilung ist die weitverbreitete Ansicht, wonach es dem Kreditgewerbe schwerfallen wird, die guten Ergebnisse des Jahres 1975 zu wiederholen. Allmählich, so sagen manche Börsianer, haben Bank-Aktien aber ein so niedriges Niveau erreicht, daß sie wieder anlagewürdig geworden sind. Ob diese Meinung richtig ist, meine verehrten Leser, wird man ablesen können, wenn die Dresdner Bank und die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank ihre angekündigten Kapitalerhöhungen durchführen.

Nahezu alle Fonds reduzierten im IV. Quartal 1975 ihren Bestand an Daimler-Aktien. Das war zu erwarten, denn für Fonds sind die neuen Mercedes-Aktien geeigneter. Sie sind billiger und bringen – da Daimler- und Mercedes-Aktien dividendengleich sind – eine etwas höhere Rendite. Inwieweit die Fonds statt Daimler- nun Mercedes-Aktien in ihre Portefeuilles genommen haben, bleibt vorerst unbekannt. Da Mercedes-Aktien offiziell erst am 2. Januar erhältlich waren, sind sie in den letzten Quartalsberichten der Fonds noch nicht enthalten. Den Bestand an Daimler-Aktien ergänzt hat entgegen dem Allgemeintrend übrigens Fondak, der über drei Prozent seines Fonds-Vermögens in Daimler-Aktien investiert hat.