Im Rettungswesen verhindert kommerzielles Denken die Zusammenarbeit / Von Ursula Pommer

Im Jahre 1974 starben auf Deutschlands Straßen 14 614 Menschen, im deutschen Luftraum 86, auf deutschen Binnenschiffahrts- und Küstenwasserstraßen insgesamt 23, bei der Bundesbahn 284, in Deutschlands Bergen 60, alles in allem waren es 15 067 Tote durch Verkehrsunfall. An Verletzten aus Straßenunfällen gab es 447 142, im Wasser 91, bei Luftunfällen 132, bei der Bundesbahn 1324 und in den Bergen 10 751.

Wer rettete sie zur rechten Zeit, beziehungsweise, wer hätte sie noch retten können? Immer hängt die Lebensrettung Schwerverletzter von der rechtzeitigen Hilfe ab. Wird ein Unfall an der falschen Stelle gemeldet oder wird er zu spät gemeldet oder können sich die verschiedenen Institutionen über ihre Kompetenzen nicht einig werden, so wird kostbare Zeit vertan. Bestehen beispielsweise Bedenken wegen der zuständigen Kostenträger – wer zahlt und wieviel? –, so kommt es zu einer mörderischen Trödelei, der vermutlich schon mancher Schwerverletzte zum Opfer gefallen ist.

Retter gibt es in Bundesdeutschland jede Menge. Aber die Frage: Wer rettet wann wo wen? führt fast immer zu Schwierigkeiten; denn es gibt niemanden, der ein für alle gehendes Machtwort spricht. Einheitliche Zentralisierung des Rettungswesens – woanders eine Selbstverständlichkeit – ist in der Bundesrepublik unbekannt. Dafür gibt es zahlreiche Rettungseinrichtungen, teils gemeinnütziger, teils kommerzieller Art.

An erster Stelle stehen das Deutsche Rote Kreuz, der Johanniterhilfsdienst, der Malteserorden und der Arbeitersamariterdienst, gefolgt von der Technischen Nothilfe, der Deutschen Wasserwacht, der Deutschen Bergwacht, der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, dem Deutschen Fischerei-Rettungsdienst, dem ADAC-Rettungsdienst und seit eineinhalb Jahren der Deutschen Rettungsflugwacht. Last not least ist da noch die Feuerwehr, die seinerzeit von den englischen Kommandanturen ehemals englisch besetzter Gebiete zum verantwortlichen Retter Nummer eins ernannt wurde. Sie ist es dort noch heute. In den früher französisch und amerikanisch besetzten Gebieten Westdeutschlands war es hingegen das Rote Kreuz, das dort nach wie vor die erste Rettungsinstitution darstellt.

Der Rechnungshof erhob Einspruch

Daneben beschäftigen sich mit Rettung als schierer Einnahmequelle private Fluggesellschaften. Im süddeutschen Raum sind es vor allem die Süd-Helikopter-Fluggesellschaft Christian Ortner KG und die Firma „Deutsche Flugrettung Helikopter Agency GmbH“ mit dem – notabene – gleichen Firmeninhaber im Hintergrund.