Spätestens Anfang April wird in Bonn ein journalistisches Angebot verschwinden, das wenige kennen – und noch weniger schätzen gelernt haben: Die auf zwei Seiten ausgebreiteten „Bonner Berichte“ der Tageszeitung „Die Welt“ werden aufgelöst und einzelne ihrer Bestandteile fortan in die Seiten zwei und drei der Zeitung aufgenommen. Damit endet ein Experiment, das von Anfang an nur halbherzig angepackt worden war – zuerst mit zu wenigen Redakteuren, später nicht mit jener verlegerischen Entschlossenheit und mit, wie Leute aus der „Welt“ sagen, „zuviel Rücksichtnahme auf zu viele Empfindlichkeiten“, was wohl heißen soll: Man habe keinen Verdrängungswettbewerb gesucht.

Es wurden 10 000 bis 15 000 Exemplare mit „Bonner Berichten“ gedruckt. Verkauft wurden nur zwischen 3500, wie man es von der Konkurrenz „Generalanzeiger“ hört, und 7000, wie die „Welt“ behauptet. Auf jeden Fall war der Verkaufserfolg minimal.

Woran ist die Lokal-„Welt“ gescheitert? Nun, auch am Milieu. In einem Kleinstadtriesen wie Bonn eine hauptstädtische Zeitung machen zu wollen, ist ein unmögliches Unterfangen. Das gilt erst recht, wenn man so hilflos nach Originalität um jeden Preis sucht, wie es die zuletzt mit fünf Redakteuren besetzte Lokal-Redaktion der „Welt“ versuchte.

„Die Welt“ ist überhaupt in Bonn bis jetzt nicht heimisch geworden. Der Umzug von der Alster an den Rhein scheint sich nicht ausgezahlt zu haben: Der große Auflagenzuwachs ist ausgeblieben. Im zweiten Quartal 1975 hatte die „Welt“ eine durchschnittliche Wochenauflage (Montag bis einschließlich der wesentlich höheren Samstags-Auflage) von 233 500 Exemplaren. Die Auflage im vierten Quartal 1975 laut „Welt“-Auskunft: 225 712.

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Wenn das Wort Parlamentsreform fällt, ist Skepsis angebracht. Allzuoft verbergen sich hinter dem anspruchsvollen Begriff ganz simple Korrekturen – und nicht selten sollen sie nur einen längst bestehenden Zustand legalisieren. Etwa 400 solche Änderungen hat der Bundestag seit 1949 eingeführt. Alle zum Besseren? Knapp ein Drittel aller Geschäftsordnungsbestimmungen des Parlamentes müßten jetzt geändert werden, wenn die Vorschläge des Geschäftsordnungsausschusses von den Bundestagsfraktionen so angenommen würden, wie sie vor kurzem in dreitägiger Klausur beschlossen worden sind.

Doch schon am Programmpunkt Redezeit scheiden sich die Geister: 15 Minuten soll jeder Redner Zeit haben; eine Fraktion darf entweder einen Redner einmal 45 oder zwei je 30 Minuten lang auftreten lassen. So weit – so gut, die letzthin schon geübte Methode würde zur anerkannten Regel. Indessen ist die Ausnahme problematisch: Regierungsmitglieder und Vertreter des Bundesrates sollen – weil sie nach dem Grundgesetz jederzeit das Wort ergreifen können wie gehabt so langatmig sein dürfen, wie es ihnen beliebt. Da wird man der Opposition schwerlich den Wunsch verübeln können, daß sie ebenso ausführlich darauf antworten möchte.