Am Abend feierte sie ihren Sieg im Kreis von Journalisten, und der frischgekürte Ehrensenator der Hamburger Universität, Axel Eggebrecht, fiel ihr vor Rührung um den Hals.

Im Ernst hatte keiner daran gezweifelt, daß die clevere liberale Bundestagsabgeordnete und Chefin des Hamburger Landesverbands der FDP nicht den kleinen Kirst von Platz 1 der Landesliste, wo er noch bei der letzten Bundestagswahl stand, wegboxen könne. Sie schaffte es mit links. Kirst, von den Rechten in der Partei favorisiert, hatte nicht viel anzubieten. Seine buchhalterischen Qualitäten als Haushaltsexperte im Bonner Bundestag zählten bei den Delegierten nicht. 47 Delegierte stimmten für ihn, 107 für Helga Schuchardt.

Sie brauchte nur eine halbe Stunde, um die Delegierten zu überzeugen, daß sie die bessere Wahl sei. Da war viel vom Ausfüllen liberaler Thesen die Rede und von der Hefe, die Hamburgs FDP „im liberalen Kuchen der Bundespartei“ spielen müsse, und schließlich zeigte sich Helga Schuchardt auch als Wirtschaftstheoretikerin.

Während an anderen Orten die Liberalen sich zu „Auflockerungsübungen“ bequemen und zaghaft der CDU zublinzeln, steht solches an der Elbe nicht zu befürchten. Nicht nur wegen der Unattraktivität der Hamburger CDU, sondern weil Hamburgs FDP sich in der sozial-liberalen Koalition auch als sozialer Motor versteht. Wenn der Bürgermeister Klose vom Hafen spricht und sich Sorgen wegen der nächsten Sturmflut macht, reden die Liberalen an der Elbe lieber von Bildung, Strafvollzug, Kindergärten und Radikalen.

Der schöne Traum von Reformen wird an der Elbe von den Liberalen weitergeträumt, und so mancher Hamburger Genosse, der erst in den End-60er-Jahren sein Herz für die Sozialdemokraten entdeckt hat, würde sich heute lieber zu Helga Schuchardt und ihren Freunden bekennen, als Solidarität zu bekunden mit seinem Bürgermeister, der immer nur vom Sparen spricht. H. K.