• Mit Massendemonstrationen der Kassenärzte und Schlagworten wie „Beutelschneider“ und „Hexenjagd auf Ärzte“ ist die Diskussion um die Kostenexplosion im Gesundheitswesen in eine heiße Phase getreten. Bleibt dabei die notwendige sachliche Auseinandersetzung auf der Strecke?

Dach: Sie wissen, daß Schlagworte vergröbern und so lediglich aufrütteln, auf Probleme aufmerksam machen können. So ist es auch bei der Kostenlawine im Gesundheitswesen, die ja vorhersehbar war, aber nicht zur Kenntnis genommen wurde. Vergröbernde Schlagworte haben sie ins öffentliche Bewußtsein gerückt, und die alarmierte Öffentlichkeit dringt auf rasche Problemlösungen. Dazu sind alle Beteiligten aufgerufen. Keiner kann sich mehr herausmogeln. Insofern erhoffen wir im Interesse unserer Mitglieder sehr viel von dieser „heißen Phase“, obwohl wir andererseits natürlich auch sehen, daß sie ungerechtfertigte Wunden schlägt.

  • Krankenkassen, Ärzte und Sozialpolitiker schieben sich gegenseitig die Verantwortung für die steigenden Kassenausgaben und Beitragssätze zu. Wie soll es weitergehen?

Dach: Das Ziel ist doch eigentlich ganz klar: Derjenige, der bezahlt, muß mehr Einfluß auf Art und Umfang der entstehenden Kosten haben. Bezahlen – und das in einem immer unerträglicheren Umfang – müssen die, die sich zu Versichertengemeinschaften wie der DAK zusammengeschlossen haben. Doch seit Jahren sind alle unsere Warnungen wirkungslos verhallt. Gesetzgeber und Rechtssprechung dehnten kontinuierlich den Krankheitsbegriff und das Leistungsangebot aus.

Zudem wälzte der Gesetzgeber laufend sachfremde, weil krankenkassenfremde Belastungen wie beispielsweise die Kosten für die Mutterschaftshilfe oder die Reform des Paragraphen 218 den Krankenkassen auf und wertete damit deren Selbstverwaltung zu seinem bloßen Finanzierungsgehilfen ab. Gleichzeitig verweigerte er aber der – wie bei uns – nur aus Versicherungsvertretern bestehenden und ehrenamtlich arbeitenden Selbstverwaltung den Einfluß auf bedeutende Kostenquellen. Das gilt ganz besonders für das Krankenhaus, wo ohne unsere Mitsprache jahrelang Über- und Fehlkapazitäten geplant und verwirklicht wurden, die unsere Mitglieder heute bezahlen müssen.

  • Heißt die Lösung vielleicht Selbstbeteiligung der Mitglieder an den Krankheitskosten?

Bach: Ganz sicher nicht. Denn das Schlagwort Selbstbeteiligung lenkt von der schlichten Einsicht ab, daß man Kosten nur dort in den Griff bekommen kann, wo sie entgehen, und nicht dort, wo sie bezahlt werden. Zudem besteht bei einer wie auch immer gearteten Selbstbeteiligung die Gefahr, daß – insgesamt gesehen – die Kosten erst recht steigen.