Bald wird es mehr Spaß machen, im Wartezimmer auf den Onkel Doktor zu warten. Es soll nämlich nach den Wünschen des Bundesvorsitzenden der Kassenärzte zu einem Aufklärungsbüro werden, wo die Patienten über die Leiden der Ärzte aufgeklärt werden. Damit wollen sie vor einem schleichenden Bazillus in unserem Volkskörper warnen: Den Systemveränderern.

Laut „Bild am Sonntag“ sind die Ärzte die neuen Opfer einer Hexenjagd, nach dem „erst die Autofahrer, dann die Einzelhändler, dann die Beamten ... Zielscheibe einer Kampagne waren, die aufs neue unsere demokratische Gesellschaft erschüttern soll“. Davon schwer erschüttert, bekam ich Migräne und suchte Dr. Tupfer auf.

Seine Sekretärin fragte mich: „Irgendwelche Beschwerden?“

Ich wies auf meinen Kopf. Sie schüttelte ihren hübschen: „Ich meine: Beschwerden gegen das System? Wollen Sie es ändern?“

„Oh, nein“, beteuerte ich, „ich hasse jede Veränderung.“

„Nun, das wird der Doktor ja bei Ihrer Durchleuchtung feststellen. Es kann sich ein wenig hinziehen – der Doktor ist noch nicht von den Barrikaden zurück – aber in unserem neuen Wartezimmer wird Ihnen die Zeit bestimmt nicht lang.“

Damit lag sie richtig, denn Doktor Tupfers Wartezimmer war das erste in ein Aufklärungsbüro verwandeltes. Dort konnte man endlich erfahren, wer wirklich schuld ist an der Kostenexplosion im Gesundheitswesen. An den Wänden hingen steckbriefartige Plakate mit den Köpfen berüchtigter Systemveränderer wie Brandt, Wehner, Ehmke und Bahr. Sie waren bei der Jahreshauptversammlung der Kassenärzte in Bad Nauheim namentlich als diejenigen angeprangert worden, die durch eine systematische Diffamierung der Ärzte eine europäische Volksfront schaffen wollen.