Vor zehn Jahren gab es ihn als Schriftsteller noch gar nicht: Peter Handke, 1942 in Griffen bei Graz geboren. Zehn Jahre: mehr als zwanzig Bücher mit Gedichten, Dramen, Romanen, Erzählungen, Hörspielen, Film-Exposes, Essays, Kritiken, Polemiken haben ihn in dieser Zeit zu einem, vielleicht dem Protagonisten der heutigen deutschen Literatur gemacht. 1973, mit einunddreißig Jahren, erhielt er den Büchner-Preis; Studenten schreiben Dissertationen über den nur wenig Älteren.

Zehn Jahre als Schriftsteller: in diesem Gespräch mit Heinz Ludwig Arnold, das Ende 1975 in Paris geführt wurde, spricht Handke mit unvermuteter Offenheit von sich, seinen Büchern, Wünschen, Erfolgen, Vorlieben und Idiosynkrasien.

Das gesamte Gespräch (unsere Fassung muß sich leider auf etwa ein Viertel beschränken) wird im Sommer in der von Heinz Ludwig Arnold herausgegebenen Zeitschrift „Text + Kritik“ (Doppelheft 24/24a) erscheinen. Es wird das dritte Handke-Heft dieser Zeitschrift sein. Ein erstes, sehr kritisches erschien1969; die zweite Auflage von 1971 wurde um objektivere Artikel bereichert; das kommende Heft wird völlig revidiert sein.

Peter Handke, Sie haben Jura studiert. Wie kamen Sie zur Literatur?

PETER HANDKE: Die Literatur war schon vor dem Jurastudium da. Eigentlich seit ich angefangen habe, zu denken, wollte ich immer Literatur machen. Oder besser: nicht Literatur machen, sondern als Schriftsteller leben.

Welche Bücher haben Sie zu Anfang stark berührt?

PETER HANDKE: Das waren im Alter von fünfzehn oder sechzehn Jahren William Faulkner und Georges Bernanos. Das hing damit zusammen, daß ich in einem katholischen Internat lebte, wo man von vornherein bestimmt war, Priester zu werden; und Bücher wie die von Bernanos und Faulkner, die damals als Rowohlt-Taschenbücher erschienen, die ich unerlaubt gekauft habe, waren natürlich dadurch, daß sie als Lektüre verboten waren, prädestiniert dazu, mir eine Gegenwelt zu dem zu errichten, was mir das Internat bedeutet hat.