Haan/Düsseldorf

Deutschlands wohl bekanntester Einzelhändler, der seit Jahren wider den Stachel des Ladenschlußgesetzes lockt, ist unter die Kioskbesitzer gegangen. Wenn alle in der bei Düsseldorf gelegenen Gartenstadt Haan um 18.30 Uhr schließen, rollt Horst Hoffmann einen fahrbaren Spezialtisch vor seinen Laden und verkauft bis 23 Uhr Dauerlutscher, Zeitschriften und Getränke. „Das Geschäft geht gut, und die Kundschaft ist mir treu geblieben“, freut sich der 47jährige Nachtarbeiter, der als Frühaufsteher ein nordrhein-westfälisches Politikum war. Denn zwischen 6 und 9 Uhr, wenn die Konkurrenz noch schlief, hatte er in seinem. 100 Quadratmeter großen Selbstbedienungsladen bereits 600 Brötchen sowie Milch und Aufschnitt verkauft.

Daß Hoffmann die Morgenstund’ Geld in die Kasse brachte, trug ihm Bußgelder sowie eine einstweilige Verfügung der Zentrale für unlauteren Wettbewerb in Frankfurt ein und beschäftigte den Düsseldorfer Landtag. Der Haaner CDU-Abgeordnete Klaus Dieter Völker wollte wissen, wie die Regierung zu dem Modellversuch „flexible Ladenschlußzeiten“ stehe. Diese hielt einen solchen Versuch für schädlich. Er führe nur dazu, daß sich einige Einzelhändler eine „goldene Nase“ verdienten. Im übrigen hätten Untersuchungen gezeigt, daß der Trend zum abendlichen Einkauf rückläufig sei. Außerdem müßten an solchen Versuchen auch die Kaufhäuser und Supermärkte beteiligt werden, was eine „Verschwendung volkswirtschaftlicher Ressourcen“ sei und die Preise in die Höhe treibe.

Genau dies aber bestreitet Kioskbesitzer Hoffmann, der inzwischen Vortragsreisender in Sachen flexibler Ladenschluß geworden ist. Die Untersuchungen eines Stuttgarter Instituts, die ein dort ansässiger Kaufhausbesitzer in Auftrag gegeben habe, hätten eindeutig ergeben, daß ein späterer Ladenschluß nicht zu höheren Preisen führen müsse.

In dem Inhaber des Kaufhauses und einem Einzelhändler aus Bad Wildungen hat Hoffmann Verbündete gefunden, die mit ihm gegen das aus dem Jahre 1956 datierende Ladenschlußgesetz kämpfen wollen. „20 000 Einzelhändler müssen in der nächsten Zeit ihre Türen auf immer dicht machen, wenn nichts geschieht“, prophezeit Horst Hoffmann, der nur in Kundenservice und Flexibilität der Einkaufszeiten Überlebenschancen sieht. Rosemary Callmann