Von Karl Koch

Man hatte sich längst damit abgefunden: Dem geistlichen Stand fehlte der Nachwuchs. Zwar brauchten keine theologischen Fakultäten mangels Nachfrage geschlossen zu werden; im Gegenteil, man erfreute sich sowohl an den traditionellen Universitäten als auch an kircheneigenen Hochschulen im theologischen Fachbereich einer angenehmen Studienidylle. Andererseits hätte sich mancher Dozent aber doch ein paar mehr Hörer für seine Vorlesung gewünscht. Inzwischen ist dieser Wunsch Realität geworden.

In der bundesdeutschen Hochschullandschaft von Kiel bis Tübingen sind auch die theologischen Seminare – zur Zeit ihrer Errichtung für solchen Andrang nicht geplant – restlos ausgebucht; und an der von Theologen seit jeher geschätzten Göttinger Fakultät sah man sich bereits gezwungen, den zu erwartenden Bewerbersturm für das Sommersemester 1976 durch einen Numerus clausus zu steuern.

Hatten noch vor kurzer Zeit die einzelnen Landeskirchen ihre Studenten, die sich auf den Pfarrerberuf vorbereiteten, mit vielen finanziellen Extras wie Büchergeld, Semesterbeihilfe, Wohnheimbau und so weiter umsorgt, so mußte inzwischen mancher Student feststellen, daß die Mittel längst spärlicher fließen und gar die Fachzeitschrift, früher selbstverständlich vom Ausbildungsreferat kostenfrei zugestellt, inzwischen ausbleibt.

Der Theologenboom trifft die Kirchen nämlich zu ungünstiger Stunde; und im Rahmen der allgemeinen Finanzkrise wird in Zukunft der gefürchtete Rotstift die Haushaltsrubrik "Studentische Förderung" sicher noch manches Mal heimsuchen.

Wie es nun zu diesem "Run auf die Kanzeln" gekommen ist, kann sicher nicht eindeutig beantwortet werden. Fest steht aber, daß der Numerus clausus auch hier seine Finger im Spiel hat. Während die meisten Studenten heute auf dem Wege zur Universität den bitteren Umweg über die Zentralstelle in Dortmund (ZVS) in Kauf nehmen müssen, gilt für die Einschreibung an der theologischen Fakultät ebenso wie für wenige andere ZVS-freie Fachbereiche der alte Rhythmus: hinfahren und einschreiben.

Ohne Zweifel entscheiden sich nicht wenige Abiturienten mit unbefriedigendem Notendurchschnitt zunächst einmal für ein unter anderen Umständen wohl nicht gewähltes Fach, um überhaupt studieren zu können. So hat sich sicher mancher "Parkstudent" eben für dieses Studium entschieden. Wie groß deshalb der Anteil derjenigen sein wird, die in mittleren Semestern das Studium abbrechen und in ein anderes Fach wechseln, muß abgewartet werden.