Auf der „Internationalen Tourismus-Börse“ in Berlin werden alljährlich zwei Preise für Werbung im Fremdenverkehr verliehen; Zum siebenten Male vergibt der Darmstädter Jaeger-Verlag in diesem Jahre seine „Goldene Reisekutsche“ für die besten touristischen Plakate, Anzeigen, Orts-, Gebiets- und Länderprospekte, sowie Veranstalterkataloge, und die Berlin Ausstellungs-Messe-Kongreß-GmbH prämiert zum dritten Male die besten touristischen Filme, diesmal Produktionen der Jahre 1974 und 1975, im Rahmen des „Prix ITB 1976“.

In beiden Wettbewerben wurden zwar erste Preise und Goldmedaillen verliehen, dennoch muß festgehalten werden: Die Tourismuswerbung liegt im argen. Am besten schneiden bei einer kritischen Würdigung aller touristischen Werbemittel noch die Plakate ab. Das Bundesbahnplakat etwa, „Die Bahn wünscht Ihnen, daß Sie keine Stunde Urlaub verlieren“, oder die neue Neckermann-Serie, aber auch das Erlebnisreisen-Plakat von Tigges sind zeitgemäße, graphisch und photographisch vorzüglich gestaltete Arbeiten.

Auch das Ausland – ausgezeichnet wurden Österreich, Griechenland und Dänemark – wartete mit einer Vielzahl moderner Plakate auf; hier fiel die Wahl besonders schwer.

Anzeigen und Ortsprospekte kann man dagegen getrost vergessen; einziger Lichtblick war eine Broschüre des Wales Tourist Board „Wales“, die von der Jury mit großer Mehrheit wegen der perfekten Verbindung von Text und Photographie ausgewählt wurde.

Man fragt sich in der Tat, nach welchen Kriterien Fremdenverkehrsorte, Landschaften, Regionen oder auch Großstädte ihre Prospekte zusammenstellen und gestalten. Ganz selten nur, um mit einem Grundübel zu beginnen, findet man in den Prospekten brauchbare Karten, Übersichtskarten, Kartenausschnitte. Wenn sie nur als graphisches Dekor betrachtet werden, läßt man sie besser gleich weg.

Offenbar haben die Auftraggeber der meisten Prospekte auch keinerlei Vorstellung von der Zielgruppe, an die sie sich wenden. Sie wissen also selber nicht, warum sie nun eigentlich ihren Ort anpreisen; Der Ruhe wegen, oder ist es die Landschaft, die Historie, die Gastronomie, die Hotellerie, oder ist es ein optimales Freizeitangebot oder eine Mischung aus allem?

Das meiste wird nur angedeutet, Wanderwege zum Beispiel. Viele passionierte Wanderer würden sicher animiert, wenn sie eine kleine Karte mit Maßstab und Landschaftsbeschreibung finden, dazu einen erläuternden Text und Hinweise, ob es vielleicht auch geführte Wanderungen in der Hauptsaison gibt. Die Prospektemacher – dieser Eindruck drängt sich jedenfalls auf – haben wohl vor allem die Selbstdarstellung und Repräsentation ihrer Orte und Landschaften im Sinne, aber kaum die präzise Information der Besucher, die ihrerseits natürlich in ganz unterschiedliche Interessengruppen aufgespalten sind, wie beispielsweise Autotouristen, Bahn- oder Flugreisende, „Erholungs-oder Erlebnis-Touristen“.