ARD, Mittwoch, 25. Februar; „Lobster – Der Einarmige“, von Hans W. Geissendörfer.

Dieser Hummer ist eher ein Einsiedlerkrebs. Sie hätten, sagt Hans W. Geissendörfer, der Erfinder und Regisseur der neuen, sechsteiligen Krimi-Folge rein deutscher Provenienz, „keine englischen oder amerikanischen Vorbilder imitieren“ wollen.

In der Tat: Dieser Lobster widerspricht dem Image der Innung Privatdetektiv ziemlich total: kein Draufgänger, sondern ein etwas phlegmatischer Genießer, der nur mit Mühe und Not aus dem Bett zu kriegen ist; kein kühl-logischer Tüftler, der mit Analyse und Intuition den richtigen Weg zum Erfolg findet, sondern ein eher schlaffer Romantiker in einer robusten Schale, dessen plüscherne grün-blau-braunen. Interieurs einer Altbauwohnung genauso liebevoll vorgeführt werden wie seine ölig-pastoralen Sprüche vom zugleich guten und schlechten Menschen; kein erfolggewohnter Weltenbummler, der zwischen zwei Mittelstreckenflügen schnell einen Fall erledigt, sondern eine fast verkracht zu nennende Existenz, der man nur aus Selbstmitleid einen Auftrag zuschanzt, weil der Kerl einem ja noch 5000 Mark schuldet; kein Frauen-und-Pferde-Narr, keine lebendige Whisky-Reklame, keine künstliche Figur, sondern jemand, dem die Frau abgehauen ist, und die Tochter hat sich längst abgewöhnt, auf die autoritären Töne ihres Erzeugers noch sehr viel zu geben. Ein Mensch als Detektiv also, und die Innungs-Lobby wurde denn auch prompt vorstellig beim Sender: So sind wir aber nicht.

Vielleicht ist aber auch etwas anderes wichtig und macht auf die nächsten Folgen einigermaßen gespannt: Endlich ein Vertreter jener Ordnung des Gesetzes, der einen Kriminellen nicht überlegen von oben abkanzelt, auch nicht mit fast schon väterlichem Tremolo sich so verständig zeigt, sondern einer, der ganz einfach nicht viel besser ist und kein bißchen mehr Glück hat als jener Unglückswurm, der bei einem Bankraub eine Million mitgehen ließ, der sie aber nach zehn Jahren Knast nicht mehr im Versteck vorfindet und bei der Suche ganz draufgeht. Erfolg ist, zeigt die erste Folge der Serie, nicht notwendig eine Beute derer auf der Seite des Guten.

Endlich auch ein Drehbuch, das sich außer zu Spannung auch zum Spiel, zum reinen Vergnügen am Einfall herabläßt, das beinahe ein Märchen erzählt, das zart, fast schon mit leichter Furcht, etwas zu verletzen, die Kamera zum Voyeur macht und sich an Kleinigkeiten freut.

Kraft und Phantasie für fünf weitere Folgen? Kaum auszudenken, wenn ausgerechnet wir Deutschen den Anti-Helden für ein so von Ervartungen und Mechanismen geprägtes Genre erfinden sollten. Doch keine Aufregung. Die Kojaks und Lord Sinclairs werden uns auch weiterhin immer wieder begegnen.

Heinz Josef Herbort