Von Hans Kepper

Im Bonner Auswärtigen Amt war man am Ende der letzten Woche „richtig froh“. Anlaß zu solchen undiplomatischen Gefühlsäußerungen gaben nicht die närrischen Tage am Rhein, sondern ein Ereignis, das sich am vergangenen Donnerstag in München zutrug. Dort wählte das Präsidium des Goethe-Instituts den 37jährigen promovierten Juristen Horst Harnischfeger zum Generalsekretär dieses für die „Pflege deutscher Sprache und Kultur im Ausland“ zuständigen Instituts. Und obgleich Harnischfeger sein neues Amt erst im September antritt, hoffen viele schon jetzt, daß sich Arbeit und auch „Image“ des Goethe-Instituts verbessern mögen.

Horst Harnischfeger tritt die Nachfolge von Hans Hermann Kahle an. Kahle war, ehe er in die Dienste des Instituts trat, Pressereferent an der Bonner Botschaft in Washington und kam im Herbst 1973 nach München, weil das Goethe-Institut aus den eigenen Reihen keinen geeigneten und allseits akzeptierten Mann glaubte finden zu können. Ohne den Vorgänger direkt zu kritisieren, rühmen die Anhänger Harnischfegers dessen Verwaltungserfahrung ebenso wie seine Kenntnisse der Bildungsplanung. Er kommt aus der Bildungsforschung, arbeitete in den Planungsabteilungen des Bonner Wissenschaftsministeriums und des Berliner Schulsenators. 1965/66 studierte er an der renommierten Pariser Ecole Nationale d’Administration. Zuletzt war er stellvertretender Generalsekretär und Leiter der Verwaltungsabteilung des Goethe-Instituts.

In den Augen eines hohen Beamten der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes ist Harnischfeger ein Mann, der „den Laden bewirtschaften kann“. So etikettiert, reüssierte Harnischfeger gegen vier Mitbewerber, die gleich ihm alle aus dem Goethe-Institut kamen. Unter ihnen war auch Michael Freiherr von Bieberstein, lange Jahre Leiter des Goethe-Instituts in Rom, heute in Paris. Bieberstein hatte Ansehen wie Ärger gleichermaßen auf sich gezogen, weil er als einer der ersten den deutschen Kulturexport vom Mief der Feierabendkultur für Honoratioren befreite.

Derzeit freilich, so scheint es, tut Profaneres not. Die Zauberformeln von „Management“ und „Effizienz“ sollen auch dem Goethe-Institut wieder zu Ruhe verhelfen. Verständlich ist dieser Wunsch schon. Denn das Goethe-Institut sah sich in den vergangenen Monaten manchen Schmähungen und vielen Zweifeln ausgesetzt. Der Krach um ein Plakat des Grafikers Klaus Staeck, das Franz Josef Strauß in Schlächterpose darstellte und zum Entsetzen der Bonner Kulturbürokraten auf einer vom Londoner Goethe-Institut mitfinanzierten englischen Ausstellung auftauchte, oder die Verweigerung eines Zuschusses an das Theaterensemble „Rote Rübe“ waren Exempel. Im Goethe-Institut mit seinen 1600 Mitarbeitern und derzeit 113 Zweigstellen im Ausland rumort es, und zwar auf vielerlei Ebenen.

Der künftige Generalsekretär betritt das Eis mit vorsichtigen Schritten. Es wäre leichter, die Konflikte zu lösen, so sagt er, wenn man auf allen Seiten den Grundsatz anerkennen würde, daß sich der Staat nicht mit den Inhalten von Kunst, Kultur, Religion zu identifizieren habe. Es sei nicht Aufgabe der Staatsmacht, zu beurteilen, ob ein Kunstwerk gut oder schlecht sei. So weit, so gut. An verbaler Liberalität mangelt es in der Bundesrepublik in diesem Bereich kaum.

Aber auch Harnischfeger weiß, daß damit die Konflikte noch nicht aus der Welt sind. Im Falle des Goethe-Instituts sind sie eingebaut. Nach seinem zur Zeit noch gültigen Vertrag mit dem Auswärtigen Amt führt das Goethe-Institut „die Vertragsaufgaben im Rahmen der kulturpolitischen Richtlinien des Auswärtigen Amtes in eigener Verantwortung aus“. Auf der einen Seite ist das Goethe-Institut als Mittlerorganisation der Kulturarbeit formal-juristisch selbständig, auf der anderen Seite ist es Auftragnehmer des Bundes. Vor allem aber auch Geldnehmer: Der Bund subventioniert es in diesem Jahr mit 93,8 Millionen Mark.