Auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin diskutierte die Reisebranche auf Einladung der ZEIT über das Thema:

Urlaub macht nicht einsam, aber er macht Einsamkeit offenkundig!“ Diese ernüchternde Feststellung machen Jahr für Jahr Hunderttausende von Urlaubern. Wie viele es genau sind, weiß niemand – bei Einsamkeit ist die Statistik überfordert –, aber wir wissen aus der letzten Reiseanalyse, daß im vergangenen Jahr rund 3,5 Millionen Bundesbürger allein in den Urlaub gefahren sind, und es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich auszumalen, daß ein großer Teil dieser Alleinreisenden auch allein geblieben ist.

Hinter der lachenden, geschäftigen, genießerischen Fassade der heiteren Ferienwelt verbirgt sich viel Enttäuschung, Verbitterung, Resignation. Viele Leserinnen und Leser sind unserer Bitte nach Stellungnahmen zum Thema „Allein im Urlaub“ gefolgt und haben uns geschrieben (siehe Kasten auf der nächsten Seite). Die meisten Briefe bekunden auf drastische Weise, wie ein Urlaub mißlingen kann, obwohl er äußerlich perfekt abläuft. Drei Viertel der Briefe kamen von Frauen. Das entspricht auch anderen Umfrageergebnissen, nach denen ein großer Teil der Alleinreisenden Frauen sind. Denn noch immer gilt das gesellschaftliche Diktat: Die Frau hat zu warten, bis sie angesprochen wird. Und noch immer setzt sich eine Frau hämischen Mißdeutungen aus, wenn sie im Urlaub und erst recht im Alltag einem Mann gegenüber Bedürfnis nach Annäherung zeigt.

Eigeninitiative oder Betreuung?

Freilich fühlen sich nicht alle Alleinreisenden von der Gesellschaft im Stich gelassen. Viele fliehen ja gerade den Trubel des Alltags, wollen zu sich selber kommen, am besten niemanden sehen, verzichten gern auf Gesellschaft. Andere appellieren an die Eigeninitiative, verlangen Aktivität und Selbstüberwindung. Manchen gelingt das auch: „Ich war zeitweise so verschlossen“, schreibt die 63jährige Ingeborg Matthaei aus Hannover, „daß es mir schwerfiel, Kontakte zu schaffen. Da habe ich mich bemüht, meinen Mitmenschen ein freundliches Gesicht zu zeigen, und das brachte mich ihnen näher. Aber dieses Offensein muß schon vor dem Urlaub geübt werden.“

Laut „Reiseanalyse 1975“ gehen die Buchungsziffern der Ferienpensionen zurück – was nimmt da ab, die Nachfrage oder das Angebot? Verdrängt das kontaktsterile Tausend-Betten-Hotel die kontaktgünstige Tante-Emma-Pension? Oder ist der Urlauberwunsch „Nette Leute kennen lernen“ gar nicht so groß, wie die Befrager behaupten? Oder kennen sich die Urlauber zu wenig aus in der Urlaubssoziologie?

Auch die Animation findet beileibe nicht nur Zustimmung. Animieren heißt ja beleben, anregen, ermuntern, das Wort hat völlig zu Unrecht hierzulande einen etwas anrüchigen Beigeschmack. Denn nichts anderes als Beleben, Anregen und Ermuntern soll ja der Animateur, nicht so sehr durch das Programm, das er bietet, sondern viel mehr durch die Art und Weise, wie er es präsentiert. Aber die Skepsis ist groß, die Angst vor der Vereinnahmung, vor der Gängelung, aber auch vor Oberflächlichkeit, ja Lächerlichkeit.