Wie aus einem Lehrling der Ruhrknappschaft ein Computer-Fabrikant wurde

Er wirkt ein wenig linkisch, er sagt „datt“ und „watt“ nach Ruhrgebietsart, aber er hat es faustdick hinter den Ohren. Werner Staude, 32 Jahre alt, schickt sich an, zum enfant terrible der Datenverarbeitungs-Branche zu werden: Er präsentierte eine Computer-Anlage, gegen die zu konkurrieren den Hauptwettbewerbern IBM und Nixdorf Ärger macht.

Vor elf Jahren, als sich der gerade volljährig gewordene Werner Staude unbedingt selbständig machen wollte, hatte er mit Computern noch nichts im Sinn. Hinter ihm lag eine Lehre bei der Ruhrknappschaft, in der er unter anderem gelernt hatte, wie Apotheker Arztrezepte mit den Krankenkassen abrechnen.

Das war sein Startkapital. Bewaffnet mit einem Stadtplan von Duisburg zog Staude von Apotheke zu Apotheke und bot seine Dienste für die Abrechnung mit den Kassen an. Nach acht Wochen hatte er ganze drei Kunden, die im Monat 400 Mark zahlten. Doch einen weiteren Monat später florierte dann das Geschäft – elf Apotheken standen auf der Kundenliste.

Der Unternehmer Staude wurde zu seiner ersten Investition gezwungen: eine Saldiermaschine für 850 Mark und eine Schreibmaschine für 400 Mark, die er noch heute besitzt. Ende des ersten Geschäftsjahres, 1965, hatte Staude nicht nur 60 Kunden, sondern auch schon einige Angestellte.

Die Geschäfte liefen gut. Eigentlich zu gut, denn Staude mußte ständig umziehen, weil die gemieteten Räume immer wieder zu eng wurden. Als die Kunden – halb im Scherz, halb im Ernst – zu fragen begannen, ob er denn seine Miete nicht bezahle, fürchtete Staude um sein Image und suchte nach einem festen Domizil für sein Unternehmen.

Vater Staude, von Beruf Studienrat, erinnerte sich dabei der Schulreform und der damit überzähligen Zwergschulen. Sein Sohn und er fuhren zum Kultusministerium nach Düsseldorf und kamen mit einer Liste von etwa 300 leerstehenden Zwergschulen zurück. Erneut zog Werner Staude, wie in seinen Gründertagen, von Tür zu Tür, diesmal aber schon mit dem Auto.