Von Jens Friedemann

Sieben. Jahre lang kämpfte der Wirtschaftsjournalist Joseph Sullivan von der amerikanischen Finanzzeitung Wall Street Journal für einen Plan, den New Yorker Experten für illusionär hielten. Heute, drei Jahre, nachdem Sullivan sein Ziel erreichte und Präsident einer von ihm konzipierten Spezialbörse in Chicago wurde, erregt seine Schöpfung internationales Aufsehen.

Sie ist ein Markt der Superlative. An ihr können Spekulanten mit geringem Einsatz in kurzer Zeit mehr erreichen als mit Tausenden von Dollar an der Aktienbörse. Den konservativen Versicherungsgesellschaften, Banken und Großanlegern aber bietet sie sichere Renditen, Steuervorteile und Schutz vor bösen Überraschungen.

Um sein Ziel zu erreichen, mußte Sullivan das Board of Trade der großen Chicagoer Rohstoffbörse überreden, einen Markt einzurichten, an dem nicht Aktien, sondern preiswerte Bezugsrechte auf Aktien mit verschieden langen Laufzeiten (Optionen) gehandelt werden können. Sullivans Ziel: Amerikas Kleinanleger, die der Wall Street in den vergangenen Jahren enttäuscht den Rücken gekehrt hatten, sollten wieder von Wertpapieren fasziniert werden. Und sie werden es in der Tat.

Während an der New Yorker Börse in den vergangenen Wochen pro Tag mehr als 30 Millionen Aktien ihre Besitzer wechselten, ein Rekord in der 159jährigen Geschichte der Wall Street Börse, erwarben Options-Anleger an einem Tag 158 000 Optionen. Da jede über hundert Aktien lautet, bedeutet das einen Tagesumsatz von 15,8 Millionen Aktien, rund die Hälfte dessen, was an den Rekordtagen an der größten Aktienbörse der Welt in Wall Street erzielt wurde.

Das weltweite Echo, das seine Creation auslöste, überzeugte inzwischen auch die Börsenvorstände in London, Sydney und Amsterdam. Sie wollen Sullivans Optionsbörse kopieren.

„In Kürze kann keine Börse der Welt mehr ohne neue Optionsmärkte auskommen“, glaubt Waldemar Veitner, Optionsfachmann in der Hamburg-Filiale des amerikanischen Börsenmaklerhauses Bache Halsey Stuart. Mit den neuen Optionen läßt sich seiner Meinung nach am Aktienmarkt „beinahe alles besser und billiger“ machen.