Sein ceterum censeo versetzte die Europäer immer wieder in Aufregung. Jahr für Jahr hat Mike Mansfield eine Verminderung der amerikanischen Truppen in der Alten Welt gefordert. Jetzt kündigte der 72 Jahre alte Führer der demokratischen Mehrheit an, daß er für die nächste Parlamentsperiode nicht mehr kandidieren werde. Ein unbequemer Politiker verläßt das Capitol in Washington.

Aber das wird selbst jene nicht vorbehaltlos freuen, denen Mansfield mit seinen Anträgen auf eine Reduzierung der amerikanischen Präsenz in Übersee häufig einen Schreck eingejagt hat. Denn so kantig der Mann aus Montana auch ist, er zählte stets zu den wenigen berechenbaren Größen in einem wankelmütigen Kongreß, der nach Vietnam und Watergate zu einem echten Konkurrenten des Präsidenten in der Gestaltung der Außenpolitik geworden ist.

Dem Weißen Haus wird Mansfield besonders fehlen. Er war einer der letzten Partner im Kongreß, mit dem der Präsident Kompromisse aushandeln lassen konnte, und der auch die Autorität besaß, sie bei seinen Kollegen durchzusetzen.

Mit Mansfields Abgang lichtet sich weiterhin die alte Garde im Senat. Die Zeit der Mahner und Moralisten scheint. auszulaufen. Sie war gewiß nicht immer ruhmvoll für das Parlament, weil häufig festgefahrene Urteile und eine verkrustete Hierarchie seine Politik bestimmten. Doch eines war mit Männern wie Mike Mansfield an der Spitze meistens garantiert: nicht kleinkarierte Parteilichkeit, politische Prinzipien gaben den Ausschlag. Ob das auch in Zukunft gilt, scheint ungewiß. D. B.