Informationen über einen Wüstenstaat, den es noch gar nicht gibt

Von Walle Bengs und Uli Laukat

Von der Westsahara wußten die Europäer bislang kaum etwas, weil Spanien eine Informationssperre über das Land verhängt hatte. Allenfalls wurden Urlauber von den Kanarischen Inseln für einen Tag zu einem unergiebigen Besuch in die Hauptstadt El Aiún eingeflogen. Wer andere Orte besuchen wollte, mußte entweder in Madrid oder in Las Palmas, der Hauptstadt von Gran Canaria, einen Passierschein beantragen, auf dem genauestens Ort, Dauer und Zweck des Besuchs zu vermerken waren, nebst Vornamen und Geburtsdaten von Vater und Mutter und ähnliche Angaben. Einmal angekommen, war schließlich der Besuch eines anderen als des zunächst beantragten Ortes noch weitaus schwieriger: Der Passierschein mußte von der Territorialverwaltung umgeschrieben werden, viel Kontrolle, viele Fragen, viel Polizei. Eine Erlaubnis zu einer Reise ins Landesinnere – auf eigene Faust, versteht sich – wurde so gut wie nie erteilt.

Doch war die Einreise glücklich gelungen, sah man sich inmitten einer Wüste von 266 000 Quadratkilometern. Der „längste und breiteste Strand der Welt“ erstreckt sich über 1500 Kilometer und 75 Kilometer breit entlang der Küste – eine Wüste wie im Bilderbuch. Sand von Horizont zu Horizont, bisweilen flach wie ein Brett, ab und an von Hügeln unterbrochen.

Auch das Landesinnere ist größtenteils eben, von leichten Hügeln und Senken durchsetzt. Hier herrscht die Hamada vor, die Geröllwüste, die im Nordosten, im Grenzgebiet zu Algerien und Marokko, von einer Hügelkette begrenzt wird, an die sich ein zerklüftetes Gebirge mit Bergen bis zu 300 Metern anschließt. Das Klima des Landes ist von extremer Trockenheit und extremen Temperaturen gekennzeichnet.

Spuren menschlicher Besiedlung lassen sich bis in die Jungsteinzeit nachweisen. Die Araber, die das Land 681 nach Christi Geburt eroberten, vermischten sich allmählich mit der einheimischen Bevölkerung. Anders als die Nachbarn im Norden und im Süden beharrten die westsaharischen Stämme auf ihrer herkömmlichen Stammesföderation, die dem Nomadendasein angepaßt war. Diese politisch schwache Gesellschaftsstruktur bestand praktisch bis zur Ankunft der Spanier in der Westsahara. Alle Stämme sprechen eine gemeinsame Sprache, die sich an das klassische Arabisch anlehnt und sich von allen Hauptsprachen der Anrainerstaaten deutlich unterscheidet: das Hassania.

Eroberung unter Franco