Bei der Afrika-Konferenz der europäischen Großmächte 1884 in Berlin wurde die westliche Sahara Spanien zugesprochen. In den ersten Jahrzehnten konnten die Spanier ihre Herrschaft aber kaum über die unmittelbaren Küstengebiete hinaus erweitern. Erst auf Drängen der Kolonialmacht Frankreich, das den Aufständischen in Marokko und Algerien die Zuflucht im Westen verwehren wollte, entschloß sich die spanische Regierung unter Gil Robles 1934 zur Eroberung des Hinterlandes. In den folgenden Jahren, besonders nach der Machtübernahme Francos im Jahre 1939, gingen die Spanier mit beispielloser Härte gegen aufsässige Einheimische vor. In Berichten aus dieser Zeit ist oft von Brunnenvergiftung, Zuschütten der Brunnen, Folterungen, Vergewaltigungen zu lesen. Immer wieder gab es Scharmützel, die den spanischen Besatzungstruppen, vor allem der Fremdenlegion, das Leben schwermachten.

Der spektakulärste Aufstand brach 1957 los. Der Stamm der R’guibat wurde von Einheiten der marokkanischen Befreiungsarmee unterstützt. Diese Armee hatte sich nach der Unabhängigkeit Marokkos 1956 dem königlichen Heer nicht angeschlossen, sondern führte einen Zweifrontenkrieg gegen das Könighaus und die Kolonialmächte. Der Offiziersstab bestand vornehmlich aus Marokkanern, der Truppenkörper aus Saharauis. Alle Stellungen der Spanier im Landesinneren wurden überrannt, die spanischen Truppen auf die Küstengarnisonen zurückgeworfen. Erst als Marokko die Nachschubwege der Rebellen abriegelte – zum Lohn schenkte ihm Spanien die Provinz Tarfaya – und als die französische Luftwaffe mit Düsenflugzeugen und Napalmbomben eingriff, konnte die Erhebung niedergeworfen werden. Kurz danach erklärte die spanische Regierung die. Westsahara und Sidi Ifni zu spanischen Provinzen, so daß sie alle Probleme als "innere Angelegenheiten Spaniens" behandeln konnte, in die sich die UN nicht einzumischen hatte.

Als in Algerien die ersten Erdöl- und Erdgasvorkommen und in Mauretanien reiche Eisenerzlager von hohen Reinheitsgraden entdeckt wurden, begann 1956 auch in der spanischen Sahara die Suche nach abbauwürdigen Bodenschätzen. Mehr als 100 000 Quadratkilometer wurden seither als Konzessionsgebiete vergeben, vor allem an die amerikanischen Gesellschaften Gulf Oil, Standard Oil, Texaco, Continental Oil. 1955 stießen Suchtrupps im Süden des Landes, unweit der Grenze zu Mauretanien, auf Eisenerzlagerstätten mit einem geschätzten Volumen von 70 Millionen Tonnen, bei einer Reinheit von 57 bis 65 Prozent und einer Beimengung von etwa 13 Prozent Titandioxyd und 0,6 bis 0,8 Prozent Vanadium.

1960 wurde das entdeckt, was heute den größten Reichtum des Landes ausmacht und die Begierde der Nachbarn geweckt hat: Phosphat. Die Lager bei Bu Craa mit einer vermuteten Kapazität von drei Milliarden Tonnen reinsten Feldphosphats sind die zweitreichsten der Welt. Im selben Jahr wurde die Phosphatgesellschaft der Sahara (Sociedad de Fosfatos del Sahara) gegründet, an der außer der staatlichen INI (Instituto Nacional de Industria) die amerikanischen Gesellschaften Gulf Oil, Occidental Petroleum, Texaco und Grace beteiligt waren. Andere, ebenfalls mit amerikanischer Beteiligung, folgten.

Um das im Tagebau gewonnene Phosphat verschiffen zu können, wurden 14 Milliarden Peseten investiert; Krupp lieferte und errichtete das von den Abbaustätten zum Meer führende und mit hundert Kilometern längste Förderband der Welt. Der Abbau des Phosphats begann 1972 mit einer Förderleistung von drei Millionen Tonnen im Jahr; vorgesehen sind zehn Millionen Tonnen pro Jahr. Noch andere Bodenschätze werden im Süden des Landes vermutet: Kupfer, Wolfram, Zinn, Beryllium, Nickel, Chrom, Platin, Gold, Magnesium, Korund und radioaktive Mineralien.

Ein weiterer Naturreichtum der ehemaligen spanischen Kolonie sind die Fischgründe vor der Küste. Neben den spanischen Fischern von den Kanarischen Inseln operieren auch beträchtliche Fangflotten fast aller Fischereinationen außerhalb der Hoheitsgewässer. Gewaltig ist auch das Hummer-Vorkommen. Allein im Jahr 1970 wurden von kanarischen und spanischen Fischern etwa 700 000 Tonnen gefangen.

Weniger freudig als bei den Investitionen zur Ausbeutung der saharischen Naturreichtümer griff die spanische Regierung in den Staatssäckel, wenn es darum ging, Schulen und Krankenhäuser für die Saharauis zu bauen. Bis 1960 gab es lediglich sieben, meist einklassige Grundschulen, die fast nur von Kindern der spanischen Kolonialverwalter und Offiziere besucht wurden. Bis 1966 gab es noch keinen Abiturienten saharischer Herkunft, und das Land, dessen einziger Reichtum in den Bodenschätzen liegt, hat nur einen einzigen Studenten der Geologie!