Madrid rückte schließlich von dem Gedanken an eine Volksabstimmung wieder ab und begann mit Marokko und Mauretanien über die Zukunft der Wüstenkolonie zu verhandeln. Franco war gerade durch König Juan Carlos ersetzt worden, da wurde auch schon in Madrid das Abkommen über die Aufteilung der Westsahara unterzeichnet. Das Abkommen brachte allen drei Staaten Vorteile:

Spanien behält weiterhin die größte Nutznießung der Phosphatvorkommen, ohne jedoch einen aufwendigen Militär- und Verwaltungsapparat unterhalten zu müssen, der sämtliche Gewinne sofort wieder schluckt; diese Aufgabe ist nun Marokko zugefallen. Weiterhin behielt sich Spanien extensive Fischereirechte vor der Saharaküste vor.

Marokko – bislang schon führender Phosphatproduzent der Welt – erhält mit dem Abkommen auch die politische Kontrolle über die zweitwichtigsten Phosphatvorkommen, besitzt also jetzt in der Phosphatproduktion ein Monopol.

Mauretanien erbt die Eisenerzlagerstätten im südlichen Rio de Oro, die dem Eisenerzrevier von Sebka und Idiyil benachbart sind, also dem Rückgrat und Hauptdevisenbringer der mauretanischen Wirtschaft.

Auch die Vereinigten Staaten können aus dem Abkommen Nutzen ziehen. Die umfangreichen amerikanischen Investitionen in diesem Gebiet bleiben unangetastet – bei einem unabhängigen Saharastaat unter einer Polisario-Führung wäre dies sicherlich nicht der Fall gewesen. Wenn es stimmt, daß den Amerikanern auf den Kanarischen Inseln ein Stützpunkt eingeräumt werden soll, so ist für Pentagon und Nato wünschenswert, daß die gegenüberliegende Küste von einer befreundeten Regierung kontrolliert wird. König Hassan hat bereits – für was anders als für seinen Krieg gegen die Polisario? – von Amerika Waffen im Wert von 450 Millionen Dollar gefordert und auch bewilligt bekommen.

Doch die Polisario, das von den Russen aufgerüstete Algerien und das (öl)reiche Libyen hinter sich, dazu die Sympathien halb Afrikas, hat ihren eigenen Staat ausgerufen und wird dafür kämpfen. Eingedenk der Erfahrungen mit anderen Guerillas des letzten Jahrzehnts ist der Schluß nicht zu gewagt, daß der Teilungsvertrag vom 14. November noch nicht das letzte Wort gewesen ist.