Der Lockheed-Skandal gleicht einem Krebsherd, der immer neue Metastasen zeugt. Die Zahl der Sünder, auf die die Bestechungspraktiken der Flugzeughersteller und anderer US-Firmen ihre Schatten werfen, wächst. Viele Politiker sind bereits ins Zwielicht gerückt worden. Das Renommee Amerikas und seiner multinationalen Konzerne gerät zunehmend unter die Räder.

Aus Sorge vor weiterem Gesichtsverlust hat nun das State Department erstmals die Initiative ergriffen und ein weltweites Abkommen zur Ausrottung der internationalen Bestechungspraktiken vorgeschlagen. Das ist ein ehrenwertes Vorhaben. Doch es erinnert an die Zeiten, als Amerika noch glaubte, als Moralapostel auftreten zu können. Im übrigen: Ein Kampf der Welt gegen die Bestechung? Das wirkt wie eine schöne Illusion, solange Bakschisch hier bestraft wird, dort aber als selbstverständlich gilt.

Mehr Erfolg verspricht ein anderer Vorschlag der amerikanischen Diplomatie: Die Ergebnisse der Kongreßuntersuchungen über Bestechungsmethoden im Welthandel sollen an die betroffenen Länder weitergegeben werden. Im Falle Lockheed hieße das: Die Verdächtigungen hätten ein Ende, die Namen der Bestochenen würden publik: Washington sollte die Stunde der Wahrheit nicht länger hinausschieben. Sie wäre für die Beteiligten schmerzhaft, für alle anderen befreiend. D. B.