"Was für ein Morgen", Gedichte von Rainer Malkowski. Der Gedichtband des ehemaligen Werbetexters Rainer Malkowski ist ein stilles Buch, frei von lautstarken Bedeutungen und sprachlicher Drahtseilakrobatik. In einfachen, präzisen Worten erstarrt hier die Wirklichkeit eines Cafés, einer Stadt, einer Dorfstraße – das immer gleiche alltägliche Leben – zur Bewegungslosigkeit eines Gemäldes, das man nur anschauen, aber nicht verändern kann. Eine Welt wie hinter der Glasscheibe des Fernsehapparates: vertraut und unerreichbar zugleich, (es 792, Suhrkamp Verlag, Frankfurt, 1975; 85 S., 4,50 DM.)

Christian Schultz-Gerstein

"Phänomen Stress", von Frederic Vester. Ärzte aus aller Welt trafen sich letztes Jahr eigens in Paris zu einer Fachtagung, Abgeordnete des Münchner Landtags debattierten kürzlich über seine schädlichen Folgen an bayerischen Schulen: Der Stress geht um! Herzinfarkt und Krebs, sie führen hierzulande die Liste der Todesursachen an. Der einst lebensrettende Mechanismus – der beispielsweise Steinzeit-Jäger alarmierte und sie widerstandsfähig machte gegen eine feindliche Umwelt – schützt heutzutage kaum mehr. In unserem zivilisierten, bewegungsarmen Alltag läßt sich die aufgestaute Körperenergie nur noch selten abbauen; dies aber beeinträchtigt unsere Gesundheit. Unsere frühgeschichtlichen Vorfahren hatten’s da besser, sie mußten sich zwar mit Höhlenbären und sonstigem Getier herumschlagen, doch konnten sie sich von dem auf Körper und Seele wirkenden Druck (englisch: stress) wieder freimachen. Wir dagegen können uns immer seltener körperlich abreagieren, und dabei nehmen die physischen und psychischen Belastungen zu. Vester, Biochemiker (und Bestseller-Autor), hat die seit den fünfziger Jahren reichlich vorhandene Fachliteratur studiert und beschreibt in sechs Kapiteln leicht verständlich das "Phänomen Stress"; er beschäftigt sich vor allem mit den Themen Bevölkerung und Beruf, Familie, Erholung und Einsamkeit. Dabei argumentiert Vester nicht mehr bloß naturwissenschaftlich (wie 1974 leider noch in seinem Buch "Das kybernetische Zeitalter", S. Fischer Verlag), sondern berücksichtigt auch Erkenntnisse der psychosomatischen Medizin, die den Zusammenhängen zwischen Körper und Seele nachgeht. Die Lektüre des Buches erfordert ungefähr sechs Stunden. Wer nach den ersten drei Kapiteln eine Pause einlegt und zum Schwimmen oder in die Sauna geht, der hat den Rest des Buches schon verstanden. (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, 1976; 376 S., 29,80 DM.)

Werner Hornung