Berlin: „Jürgen Waller“

Die Methode dieses Berliner Malers, politische Themen ins Bild zu setzen, ist verblüffend, und das nicht zuletzt deswegen, weil er sparsam mit den Mitteln umgeht und weil er schlagkräftigen Witz hat. Sein Verfahren läßt sich etwa an zwei Chile-Bildern ablesen. Das eine heißt „Weltmeisterschafts-Stadion in Chile“ (1974): Die monoton gestaffelten Sitzreihen der Arena sind mit kühler Genauigkeit dargestellt, grau und menschenleer, nur am linken vorderen Bildrand liegt eine zerbrochene Gitarre. Das andere, „Chile 1976“, zeigt einen kargen Raum mit sorgfältig gemalten Holzdielen, in dem nur eine alte Kommode steht; doch das schlichte Interieur verliert seine Harmlosigkeit durch wenige politische Hinweise: Auf der Kommode liegt ein Buch über Chile, und aus einer der Schubladen quillt eine Fahne. Das Requisit wird zum Indiz. So gelingen Jürgen Waller in stillebenhaften Arrangements politische Momentaufnahmen von ganz unsentimentalem Pathos. Und weil er ein realistischer Maler ist, weil er den Realien, die er darstellt, ihre sinnliche Materialität beläßt, bleiben seine politischen Botschaften nur selten im Illustrativ-Literarischen stecken. Spuren werden fixiert, die Rückschlüsse auf die Realität provozieren. Als geheime Verwandte eines solchen Kalküls fallen einem Magritte und Maigret ein. Mit dem Verfahren einer Spurensicherung, gleichsam aus kriminalistischer Perspektive, gelingt es Waller sogar, ein so komplexes und aktuelles Thema wie „Die lädierte Identität des vom Berufsverbot betroffenen Kunsterziehers Schreiber“ anschaulich zu machen. (Galerie Poll bis zum 10. April) Katrin Sello

Stuttgart: „Nikolaus Lang“

Seine Arbeitsweise ist mit jener der Amateur-Ethnologen und Privat-Archäologen verwandt, die Spurensicherung betreiben – und doch zögert man, Nikolaus Lang dieser von der Kunstkritik hochgepäppelten Richtung zuzurechnen. Denn offensichtlich unterscheidet sich das Ergebnis seiner Recherchen vom (pseudo-)naiven Sammeleifer und der oftmals belanglosen Dokumentation der anderen durch Phantasie und artistisches Raffinement. Ob er an japanischen Stränden Gegenstände sammelt und zu einer Art von Environment zusammenfügt, ob er Leben und Umwelt von Außenseitern, die auf einem bayerischen Einödhof wohnten, aus noch vorhandenen Relikten rekonstruiert, stets ist für ihn die Darstellung und das Ordnen der Funde in Form eines Kunstwerks wichtig. Die photographische Aufnahme der Situation, Tagebuchnotizen und Kästen, in denen das Gesammelte quasi-museal präsentiert wird, bilden dabei eine Einheit; die Bilddokumentation und die Textinformation interpretieren die Gegenstände, die allein nur sprachlose Dinge waren – Zeichen der Erinnerung, ohne zu wissen woran. Nikolaus Lang beschreibt in seinen Arbeiten nicht nur Zustände und Situationen, wie sie waren, er vollzieht sie auch nach, er erfindet eine zur Erinnerung passende Wirklichkeit. Carl-Albrecht Haenlein, der die Ausstellung für die Kestner-Gesellschaft Hannover zusammengestellt hat, vergleicht Langs Arbeiten daher zu Recht mit abenteuerlichen Kinderspielen. (Württembergischer Kunstverein, bis zum 28. März; Katalog 12 Mark) Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen

Berlin: „Ronald Searle“ (Kupferstichkabinett bis zum 19. April, Katalog 8,50 Mark)

Braunschweig: „George Grosz“ (Kunstverein bis zum 21. März, Katalog 18 Mark)