Von Rolf Michaelis

In wenigen Tagen, vom 1. April an, gibt es in Frankfurt einen neuen Verlag, den ersten deutschen Verlag, der nach dem Willen seiner beiden Gründer den Autoren gehören soll, die dort ihre Bücher veröffentlichen. Zur Buchmesse im Herbst wird sich die "Autoren- und Verlagsgesellschaft Syndikat" mit ihren ersten rund zwanzig Titeln vorstellen.

Wieder einmal Frühlingsschalmeien aus der linken Ecke? Gemeinschaftsträume vereinsamter Sozialisten?

Wer den beiden Gesellschaftern und Geschäftsführern des "Syndikats" gegenübersitzt, den beiden Lektoren, die in den letzten anderthalb Jahrzehnten das wissenschaftliche Programm des Suhrkamp Verlages aufgebaut und verantwortet haben, Karl Markus Michel und Axel Rütters, und wer ihren elf Seiten umfassenden Grundsatzentwurf liest, begegnet zwei erfahrenen Praktikern des Buchmarktes, die ihr Modell inhaltlich, juristisch, kaufmännisch aus den produktions- und vertriebstechnischen Gegebenheiten entwickelt und in der marktwirtschaftlichen Wirklichkeit des Buchhandels in Deutschland verankert haben.

Dafür spricht schon die neuartige Konstruktion. Der Name "Syndikat" bindet zwei Gesellschaften aneinander: "Syndikat – Buchgesellschaft für Wissenschaft und Literatur (GmbH & Co. KG)" und die "Autoren- und Verlagsgesellschaft Syndikat (GmbH)". Die juristische Muttergesellschaft ist also nicht der Verlag, sondern – wegen Vorteilen bei der Gewerbesteuer – die Buchgesellschaft.

Der Gedanke einer Buchgemeinschaft, über die wissenschaftliche Literatur preiswert zu beziehen ist, stand am Anfang aller Überlegungen für das "Syndikat". Weil die Autoren fürchteten, dort unter Ausschluß der Öffentlichkeit zu publizieren, tat man den zweiten Schritt: von der Buchgemeinschaft zum eigenen Verlag.

Ganz bewußt wird sich das "Syndikat" auf wissenschaftliche Literatur beschränken. Auch darin liegt eine Chance für den neuen Verlag. Michel und Rütters verlassen nicht, Utopien der Vergesellschaftung zuliebe, das Feld, das sie kennen wie nur wenige in Deutschland. Was bei dichterischen oder erzählenden Werken immer mitspielt – das totale verlegerische Risiko (wer wird das Buch eines noch unbekannten jungen Autors kaufen?) – kann bei wissenschaftlicher Literatur so eingeschränkt werden, daß Kalkulation möglich wird: Noch das 1001. Werk "Sekundärliteratur" eines entlegenen Fachgebietes wird, ja muß von Spezialisten, von Seminar-, Fach-, Universitätsbibliotheken erworben werden. Die rund dreißig Bücher, die der Verlag jährlich herausbringen will, sollen erste Auflagen zwischen 1500 und 8000 Exemplaren bekommen. Entsprechend schwanken die Preise zwischen einem Seitenpreis von 15 und 5 Pfennigen, bei einem Buch von etwa 240 Seiten also zwischen 36 und 12 Mark. Mit kurzer zeitlicher Verzögerung werden alle Titel mit einer Ermäßigung von 25 bis 35 Prozent in der Buchgesellschaft angeboten.