Die Europäische Gemeinschaft startet die größte Kapitaloperation ihrer Geschichte.

Die Kommission der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel hat Gespräche mit Saudi-Arabien über die Auflage einer EG-Anleihe wegen zu hoher arabischer Bedingungen abgebrochen. Neben Gesprächen mit Venezuela und Kuwait hatte die Kommission im Sommer vergangenen Jahres auch mit der saudiarabischen Währungsagentur SAMA Kontakte aufgenommen, im das reiche ölland für eine EG-Anleihe zu interessieren. Auf diese Weise sollten Petro-Dollars aus den höheren Ölpreisen nach Europa zurückgeführt werden.

Gemeinschaftsanleihen, für die die Mitgliedstaaten gemeinsam haften, können auf Beschluß des EG-Ministerrats bis zu einer Höhe von drei Milliarden Dollar aufgenommen werden, um die durch die Ölpreisverteuerung entstandenen Zahlungsbilanzdefizite einzelner Mitgliedstaaten unter bestimmten wirtschaftspolitischen Auflagen zu überbrücken.

Nach zunächst verheißungsvollen Angeboten schraubten die Saudis im Februar ihre Bedingungen herauf. Ihnen genügte die Garantie der Gemeinschaft (Bundesfinanzminister Apel: „Ein potentieller Schuldner von hohem Rang“) nicht. Zusätzliche Sicherheiten lehnte die EG aber ab.

Als Brüssel sich schließlich auch mit der Forderung nach einer Anpassung des Zinssatzes an den inzwischen wieder sinkenden Zinstrend auf den europäischen Kapitalmärkten nicht durchsetzte, entschloß man sich, die Anleihen über Banken abzuwickeln, von denen marktübliche Bedingungen erwartet werden.

Zur Überbrückung der Zahlungsbilanzdefizite Irlands und Italiens werden Kredite von insgesamt 1,3 Milliarden Dollar benötigt. Diese sollen nun von zwei Bankenkonsortien unter Führung der Deutschen Bank in Frankfurt und der New European Banking Corporation in London auf dem internationalen Kapitalmarkt beschafft werden. Am kommenden Montag will der Rat der Finanzminister über die Annahme der Konditionen der Banken entscheiden.

Von den Krediten sollen eine Milliarde Dollar an Italien und 300 Millionen Dollar an Irland gehen. Es ist die größte Kapitalmarktoperation der Gemeinschaft.