Es ist wie im Catcher-Zelt und ebenso sorgfältig inszeniert: Einzug der Gladiatoren, die spielerisch mit ihren Muskeln protzen, Vorkämpfe zum Anwärmen der Stimmung, ein Buhmann tritt auf, und dann folgt der Hauptkampf „um die Meisterschaft von...“.

Kampfrufe, brutal erscheinende Griffe und Schläge – doch wohlberechnet, denn beide Kämpfer wollen im nächsten Turnier wieder Geld verdienen und nicht im Krankenhaus liegen. Die Show ist perfekt. Dennoch: Man ist nie sicher, ob ein Kämpfer nicht doch aus seiner Rolle fällt. Feinsinnigere Theaterfreunde mögen sich an die Regeln der dramatischen Kunst erinnert fühlen: Einführung in die Handlung, Schürzen des Knotens, dramatischer Höhepunkt und Lösung.

Die IG Metall hat den dramatischen Höhepunkt bei den Lohn Verhandlungen anscheinend erreicht. Die Spitzenfunktionäre der Arbeitgeber und der Gewerkschaft haben sich ausgesprochen; der Theaterdonner um einen möglichen Streik ist verhallt; und nun sitzen sie wieder am Verhandlungstisch. Letzte Runde?

Der öffentliche Dienst hat erst die Vorkämpfe absolviert, und wie in jedem Jahr stehen sich die Kämpfer (scheinbar) unversöhnlich gegenüber. „Nicht verhandlungsfähig“ nennt Gewerkschaftsboß Kluncker das Arbeitgeberangebot. Fällt ihm mit seiner 135-Mark-Forderung wieder einmal die Rolle des Buhmanns zu? Für „ausgewogen, fair und realistisch“ hält Bundesinnenminister Maihofer dagegen sein Angebot von knapp vier Prozent.

Es ist viel Getöse im Catcher-Zelt. Die Mitglieder der Verbände, die dort am Ring stehen, wollen etwas sehen für ihr Geld. Dabei ist der Ausgang des Turniers schon allen bekannt: Ausgleich der Inflationsrate bei den Löhnen. Über das Wie werden die Verhandlungspartner in der letzten Phase sprechen. Bis dahin heißt es: Die Show muß laufen. hm