• Der Verband Deutscher Makler (VDM) hat erklärt, er rechne in der ersten Jahreshälfte 1976 mit einem Immobilienboom, der die Preise für Häuser und Wohnungen um mindestens 20 Prozent nach oben treiben werde. Teilen Sie diese Auffassung?

Feldmann: Nein, nach den beim RDM zusammenlaufenden Marktinformationen gibt es keine Anhaltspunkte für eine solche Entwicklung. Wir sind der Meinung, daß eine solche Prognose sachlich überhaupt nicht zu rechtfertigen ist.

  • Unterschätzen Sie dabei nicht die Wirkung der niedrigen Zinsen? Baugeld ist heute zum erstenmal seit Jahren wieder billig. Wer jetzt zugreift und langfristig finanziert, spart bares Geld. Das reizt doch zum Engagement.

Feldmann:Das ist richtig. Trotzdem sehen wir keinen Boom. Der Immobilienmarkt ist zum erstenmal ausgeglichen, zum erstenmal haben wir ebensoviel Wohnungen wie private Haushalte in der Bundesrepublik. Ein echter Nachholbedarf wie in den letzten fünf bis sechs Jahren besteht nicht mehr. Bei einer solchen ausgeglichenen Marktentwicklung sind Preissprünge, wie sie vom VDM prognostiziert werden, irreal.

  • Der VDM führt als Argumente die geschrumpften Baukapazitäten sowie ein rückkehrendes Vertrauen der Bevölkerung in die Wirtschaft an.

Feldmann: Wir glauben nicht an das Märchen von den geschrumpften Baukapazitäten. Zwar sind etliche Firmen vom Markt verschwunden. Aber ein großer Teil der Kapazitäten ist lediglich eingefroren. Er läßt sich sehr schnell wieder aktivieren. Die Nachfrage, die sich nach dem Desaster auf dem Immobilienmarkt jetzt neu entfalten könnte, wäre von den vorhandenen Kapazitäten ohne weiteres zu befriedigen. Wir sind sogar der Ansicht, daß hier tendenziell eher noch Überkapazitäten vorhanden sind, so daß immer noch mit einem sehr scharfen Wettbewerb in der Bauwirtschaft gerechnet werden, kann. Das aber läßt keinen Spielraum für dramatische Preissteigerungen.

Was das zurückkehrende Vertrauen in die Konjunktur betrifft, so zeigen die jüngsten Abschlüsse sowie das Interesse, das bei unseren 3200 Mitgliedern bekundet wird, daß in erster Linie der Einfamilienhausscktor davon profitiert. Auf diesem Teilgebiet rechnen wir in der Tat mit einer anwachsenden Belebung. Wenn man diesen Trend zum „Haus im Grünen“ preislich in Prognosen fassen will, kann man sich zur Zeit lediglich an der Geldentwertungsrate orientieren. Das sind nach unseren Erhebungen, die wir jährlich für einen bundesweiten Preisspiegel anstellen, Steigerungsraten, die zwischen fünf und acht Prozent pendeln – auf das ganze Jahr gerechnet. Also auch auf diesem Teilmarkt kein Nachfrageboom. Das geht übrigens auch aus den Berichtes der 20 deutschen Immobilienbörsen hervor, die jetzt bei uns eintreffen.

  • Was kann den VDM dann bewogen haben, eine solche Prognose abzugeben? Feldmann: Da war wohl mehr der Wunsch Vater des Gedankens. Das Publikum ist preisbewußter geworden. Man verschuldet sich nicht mehr im Übermaß. Dabei ist die Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes nur der eine Grund. Ebenso wichtig ist die geschwundene Furcht vor einer galoppierenden Inflation und vor unbegrenzt steigenden Mieten. Die Interessenten bleiben mit ihren Preisverteilungen zur Zeit doch sehr bewußt und konstant und kaufen nicht mehr unter dem Motto – morgen ist es noch teurer. Obendrein beginnt sich eine Tendenzwende hin zu modernisierungsfähigen Altbauten bemerkbar zu machen. Die Kaufpsychose der vergangenen Jahre wird aller Voraussicht nach nicht so schnell wiederkommen. Nach Boom und Rezession ist der Markt in eine gesunde Phase eingetreten, jfr