Im Süden Afrikas wächst die Kriegsgefahr. Dafür werden die in Angola stationierten Kubaner sorgen. Die international investierenden Anleger haben entsprechend reagiert. Für sie heißt es: Fort aus Südafrika! Entsprechend bewegten sich die Kurse südafrikanischer Aktien und Anleihen. Ob die gegenwärtigen Notierungen bereits Kaufkurse darstellen, ist schwer zu sagen. Das hängt von der weiteren Entwicklung ab. Sicher ist eines: Südafrikanische Wertpapiere sind keine Daueranlage mehr. Nicht weil ich glaube, daß die weiße Regierung in absehbarer Zeit kapitulieren wird, doch werden die kommenden Ereignisse für stete Unruhe und damit auch für beträchtliche Kursschwankungen sorgen.

Das wird auch bei den auf Mark lautenden südafrikanischen Anleihen der Fall sein, die in den vergangenen Tagen kräftige Kursstürze hinzunehmen hatten und bei denen heute Renditen von rund 14 Prozent erzielbar sind. Dies allerdings nur, wenn man davon ausgeht, daß die Zinsen pünktlich gezahlt und Tilgungen vertragsgemäß geleistet werden. Die „Angstprämie“ ist sicherlich beträchtlich, besonders wenn man bedenkt, daß die Rendite deutscher Emissionen bei Laufzeiten von weniger als acht Jahren bereits unter acht Prozent gesunken ist. Experten gehen davon aus, daß in diesem Monat noch eine Bundesanleihe mit einem Nominalzinssatz von 7,5 Prozent aufgelegt werden wird. Spekulativ sind Südafrika-Anleihen ohne Zweifel interessant geworden. Wer einsteigt, muß jedoch wissen, daß er ein beträchtliches „politisches“ Risiko läuft. Schwarze Regierungen werden die Schulden der Weißen mit Sicherheit nicht bezahlen.

Politisch motivierte Kursstürze hat es bereits einmal bei den auf Mark lautenden Argentinien-Anleihen gegeben. Inzwischen haben sich ihre Kurse einigermaßen normalisiert. Das hängt in erster Linie mit ihren kurzen Restlaufzeiten zusammen. Allerdings wird man sich darüber im klaren sein müssen, daß die Anleihen nur dann pünktlich zurückgezahlt werden, wenn Argentinien Anschluß-Anleihen eingeräumt werden. Getilgt wird mit neuen Schulden – kein gemütliches Gefühl. Aber so wird es mit vielen ausländischen Schuldnern sein. Aus eigener Kraft sind nur wenige in der Lage, die Devisen für Anleihetilgungen aufzubringen. Darin liegt eine beträchtliche Gefahr für den internationalen Kapitalmarkt.

Wer deshalb auf Mark lautende Auslandsanleihen erwirbt, sollte nicht unbedingt hohen Zinsverlockungen nachgeben, sondern sich auch mit der Bonität der Geldnehmer beschäftigen. Bei Inlandsemissionen ist das kaum nötig. Hier hat der Gesetzgeber ein Sicherungsnetz gespannt. In den letzten Jahrzehnten ist es allerdings kaum belastet worden.

In diesem Zusammenhang ein Wort zu den Superzinsen, die von „Finansbanken“ in Kopenhagen geboten werden. Zuletzt offerierte dieses Institut eine Anleihe mit einem Nominalzinssatz von 13 Prozent, Laufzeit bis zum 1. Februar 1988. Der hohe Zins ist aus deutscher Sicht verlockend, wobei man allerdings wissen muß, daß in Dänemark traditionell höhere Zinsen gezahlt werden als bei uns. Befürchtungen, die Bank könne sich mit solchen Sätzen übernehmen und eines Tages ihre Schalter schließen, verlieren daher an Gewicht. Natürlich kann niemand sagen, was in den nächsten zwölf Jahren geschehen kann. Das weiß auch der Ehrenpräsident und Berater des Verwaltungsrates, seine Königliche Hoheit Prinz Peter von Griechenland und zu Dänemark, sicherlich nicht, der sich in Werbeanzeigen als „Aushängeschild“ benutzen läßt.

Was gelegentlich übersehen wird, ist die Tatsache, daß die Anleihe auf dänische Kronen lautet, der deutsche Zeichner also das volle Währungsrisiko läuft. Kronen-Abwertungen und Mark-Aufwertungen haben in der Vergangenheit den Wert auf Kronen lautender Papiere für deutsche Investoren beträchtlich vermindert Wer will solche Risiken für die Zukunft ausschalten?

Über Währungsrisiken zerbricht sich das Düsseldorfer Bankhaus Trinkaus & Burkhardt ernsthaft den Kopf. Im Mai vergangenen Jahres hatten die Düsseldorfer Bankiers ihre Kundschaft noch beruhigt: „Das Währungsrisiko würden, wir zur Zeit nicht als ernstes Hindernis für eine internationale Depotstreuung ansehen.“ Jetzt, so wird aus Düsseldorf signalisiert, sei eine Überprüfung dieser Position angezeigt.