Bayerns Kultur und Literatur ist reich an kritischer Tradition; zu ihr gehören nicht nur Thoma oder Ganghofer, sondern auch Feuchtwanger und Oskar Maria Graf ... Bayern ist anders, als es Franz Josef Strauß repräsentiert.

Aus dem Manifest der an Aschermittwoch gegründeten Aktion „Das andere Bayern“, unterzeichnet, neben anderen, von den Schriftstellern Achternbusch, Carl Amery, Dorst, Gregor-Dellin, Lattmann, den Filmregisseuren Alexander Kluge, Volker Schlöndorff, dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt, der Schauspielerin Marianne Koch und den Professoren Langenbucher undSontheimer.

Rummel im Südwestfunk

Er gilt als einer der harten Rechten im Deutschen Fernsehen: Helmut Hammerschmidt, 55, in CSU-Kreisen heimisch und groß geworden, seit 1965 Intendant des Südwestfunks (SWF), berühmt für seine Rigorosität in personalpolitischen und programmideologischen Fragen. Am 1. April 1977 läuft seine Amtszeit aus, schon jetzt soll aber die fällige Neuwahl des scheidenden Fernsehdirektors Dieter Stolte mit der des Hörfunkdirektors und des Intendanten kombiniert werden. Und wie zu erwarten, wird nun in Baden-Baden mächtig gekungelt und phantasiert. Hammerschmidt stellt sich der Wahl, soll aber keine Chance mehr haben; für ihn spräche, daß er immer Praktiker und „starke Männer“ an den Sender holte, Günter Gaus, Hans Joachim Lange oder Stolte, zum Beispiel. Sein Gegenkandidat: Willibald Hilf, Staatssekretär von Ministerpräsident Kohl und Vorsitzender des SWF-Verwaltungsrats. Der Parteimann würde gleich zwei CDU-Kollegen mitbringen: Alois Rummel, jetzt Bonn-Korrespondent, als Hörfunkdirektor, und Dieter Goebel, jetzt Hörfunkdirektor, als Fernsehdirektor – im SWF nennt man diese Troika schlicht „eine Katastrophe“. Noch deutlicher wird der rheinland-pfälzische DGB-Vorsitzende Lehlbach: Hilfs Wahl würde „den Übergang von der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt zum Staatsrundfunk“ bedeuten.

Architekten warnen Studenten

Die Parallelität der beiden Mitteilungen, mit denen der Bund Deutscher Architekten (BDA) in Bonn soeben Alarm schlägt, ist nicht unbedingt zufällig. In der einen berichtet der BDA, daß eine Umfrage unter seinen Mitgliedern „erschreckende mittelfristige Perspektiven des Architektenberufs“ ergeben habe: In den Jahren 1973 bis 1975 hätten Architekturbüros fast ein Drittel ihrer Mitarbeiter entlassen müssen; die Honorarumsätze hätten sich in derselben Zeit um ein Viertel vermindert; wenn nicht neue Aufträge die Situation ändern, werde für dieses Jahr ein Umsatzrückgang von etwa 42 Prozent befürchtet. „Viele Architekten“, so steht es zu lesen, „wissen aber schon heute, daß keine für die Weiterführung ihrer Büros erforderlichen Aufträge mehr kommen werden. Dies bedeutet, daß die freiberuflich tätigen Architekten vor der größten Existenzgefährdung seit den dreißiger Jahren stehen.“ An den Aufruf, die Politiker sollten die Flaute nutzen und für später vorgesehene Planungsaufträge schon jetzt erteilen, um eine sonst kaum mögliche Sorgfalt herauszufordern, knüpft sich dann in der anderen Meldung die „mit Nachdruck“ ausgesprochene Warnung an die jungen Leute, Architektur zu studieren. Selbst „wenn eine wünschenswerte Intensivierung der Umweltplanung mit in Betracht gezogen“ werde, würden künftige Architekten weit weniger zu tun bekommen als in den Aufbaujahren der Nachkriegszeit. Anders gesagt: das Architekten-Diplom droht zum Freifahrschein in die Arbeitslosigkeit zu werden.

Journalistenpoesie: Genesen (I)