Komplizierte Welt

Die Tageszeitung Die Welt kündigte in ihrer Ausgabe vom Montag dieser Woche auf Seite 3 an: „Axel Springer: Weiterer Ausbau der WELT-Gruppe.“ Wie der Ausbau vonstatten gehen soll, erscheint freilich noch ungeklärt. Die Zeitungsmeldung gibt darüber keine Auskunft. Auch aus den diversen Chefetagen des Springer-Verlages waren keine Informationen zu bekommen. Unklarheit herrscht vor allem über das weitere Schicksal der Welt am Sonntag (Auflage rund 300 000). Springer-Redakeure halten zwei Entwicklungen für möglich. Die erste: Verleger Springer und sein Sohn, der in die Chefredaktion der „WamS“ eintreten soll, werden das Blatt gemeinsam in eine Sonntagszeitung völlig neuen Stils umwandeln. Die zweite: Die „WamS“ wird zu einem Wochenendmagazin umgestaltet, das der Tageszeitung Die Welt beigelegt wird. Ein Ende der Spekulationen ist noch nicht abzusehen. Bislang war nicht einmal zu erfahren, wann die Redaktion der „WamS“, wie angekündigt, nach Berlin verlegt wird.

Pariser Kniefall

Einen Tag verbrachte Frankreichs Premierminister Jacques Chirac letzte Woche im Tschad. Was hinterher als erfolgreicher Staatsbesuch dargestellt wurde, war in Wirklichkeit die Besiegelung eines großen diplomatischen Mißerfolges. Im Tschad halten Rebellen nämlich seit bald zwei Jahren die französische Archäologin Françoise Claustre gefangen. Im vergangenen September lieferte Paris den Aufständischen strategisch interessantes Material und zahlte obendrein vier Millionen Franc in bar. Die Tschad-Regierung, von Paris unter Druck gesetzt, war so erbost über die Intervention, daß sie alle im Lande stationierten französischen Truppen verjagte. Jetzt dürfen die Franzosen den strategisch wichtigen Tschad wieder als Stützpunkt nutzen. Doch für Madame Claustre sinken damit die Chancen für eine baldige Freilassung weiter.

Paß intim

Die Bürger der Vereinigten Staaten werden sich in ungefähr einem Jahr an neuen, blausilbernen, handlicheren Pässen erfreuen dürfen. Die Entwicklung des fälschungssicheren Dokuments wird rund eine Million Dollar kosten – und trotzdem nicht perfekt sein. Denn gegen die Absicht der Paßabteilung des Außenministeriums, mit Hilfe eines magnetischen Datenträgers in dem Reisedokument alle wichtigen Daten festzuhalten, sperrten sich mehrere Politiker: Dies sei der erste Schritt zum Einbruch staatlicher Schnüffelsucht in die private Sphäre.

Speer und die Jusos