An der deutschen Börse dauerte die Kursschwäche, ausgelöst durch die Abwertung des französischen Franc, nur wenige Stunden. Schon am Dienstag kam es wieder zu steigenden Kursen, in manchen Papieren zu Hausse-Sprüngen. Käufer waren zunächst weder das deutsche Publikum noch die Großanleger. Den Anstoß für die Rückkehr zur freundlichen Tendenz gaben massive Kaufaufträge aus dem Ausland. Dort sieht man die Beeinträchtigung des deutschen Exports nach Frankreich durch die Neubewertung des Franc nicht als dramatisch an.

Im Ausland wird vielmehr davon ausgegangen, daß die Mark auch in Zukunft gegenüber den meisten anderen Währungen „fest“ bleiben wird, insbesondere auch gegenüber dem englischen Pfund. Das scheint auch der Grund dafür zu sein, daß sich in den letzten Tagen Engländer wieder mehr am deutschen Markt engagiert haben. Dabei nahmen sie den Aufschlag für das „Kapitalpfund“ – es wird für den Erwerb ausländischer Wertpapiere benötigt – in Kauf. Das Interesse der Engländer galt vor allem Mannesmann- und Thyssen-Aktien. Beide Papiere erreichten, am Dienstag neue Jahreshöchstkurse.

Kaum noch zu bremsen war am Wochenbeginn die Daimler- und die Mercedes-Aktie. Die langen Lieferfristen für Pkw, die rege Nachfrage nach den neuen Modellen (die zu „auskömmlichen“ Preisen auf den Markt kommen) sowie die Tatsache, daß bei Daimler die Streikgefahr vom Tisch ist, lockten immer neue Käufer an. Die Aktien der Mercedes-Holding kamen schließlich auf 337, zu Beginn dieses Jahres konnte man sie zu 305 zeichnen – und bei 310 Mark nachkaufen. Die Erstzeichner haben also einen Kursgewinn von knapp zehn Prozent erzielt.

Mit Spannung wartet man an der Börse nun auf die Optionsanleihe der Deutschen Bank, die sowohl den Aktionären der Deutschen Bank als auch der Mercedes-Holding angeboten werden soll. Der Optionsschein wird zum Kauf von Mercedes-Holding-Aktien berechtigen, nach Schätzung der Börse zum Preis von etwa 305 Mark. Das Bezugsrecht auf die Optionsanleihe wird an der Börse notiert werden. Sein Wert wird auch von dem Zinssatz abhängen, mit dem die Optionsanleihe ausgestattet sein wird.

Der Veba-Kurs hat. die, negativen Veröffentlichungen über das Veba-Management gut überstanden. Nicht zuletzt wegen der Ankündigung, die Dividende nur von 7,50 auf sechs Mark zurückzunehmen zu wollen.

Immer noch vernachlässigt sind die Bank-Aktien. Das hat nationale und internationale Ursachen. In der Bundesrepublik wird angenommen, daß die Kreditinstitute ihr glänzendes 1975er Ergebnis nicht zu wiederholen vermögen. Bis heute sind die Erträge gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres jedoch nicht nennenswert niedriger. Die Abschreibungen auf Tanker-Beteiligungen werden offensichtlich überbewertet. In Schiffahrtskreisen ist man der Ansicht, die Dinge schon wieder im Griff zu haben. International stört das Krisengerede hinsichtlich der amerikanischen und englischen Banken. Bis jetzt ist es aber gelungen, für alle aufgetauchten Schwierigkeiten eine Lösung zu finden. Zu einem weltweiten Bankkrach, werden es die Regierungen nicht kommen lassen. K. W.