Daß sie im Krematorium zu Asche verwandelt und dann noch ins Meer versenkt werden wollen, macht doppelte Mühe, doppelte Kosten. Mein Gott, müssen die eine Angst vor der Auferstehung haben!

Der Hergang liest sich schaurigschön. Von Travemünde sticht der Motorsegler „Küke“ eines Hamburger Beerdigungsunternehmens in See. An Bord: er selbst sowie der Kapitän sowie der Steuermann. Auch etwas Trauergemeinde ist zugelassen.

Ist die Strecke zum Bestattungsort zurückgelegt (die Stunde Fahrt unter vollen Segeln erfordert natürlich einen Aufpreis), rechnet der Kapitän noch einmal aus, wo sich das Schiff befindet: 54°, 3 Minuten, 54 Sekunden Nord und 10°, 58 Minuten, 24 Sekunden Ost.

Dann nimmt er die Mütze ab und liest mit stockender, jedoch lauter Stimme ein Gedicht, beispielsweise von Storm: „Ewiger Wellengang flüchtiger Zeiten.“ Der Bestattungsunternehmer läßt so dann die Urne ins Meer gleiten, wirft ein paar Blumen hinterher, öffnet eine Wodkaflasche, läßt sie kreisen, spielt etwas Akkordeon oder stimmt einen Shanty an.

Vom Steuermann wird berichtet, daß feiner. Regen sein Gesicht peitscht. Die „schlichte Feier“ ist ferner durch das Knattern des Besan- und des Genua-Segels gekennzeichnet. „Hier“, so sagte der See-Bestatter dem Berichterstatter der Welt, gibt es kein Pathos, das Tränen fließen läßt. Hier auf hoher See, unter vollen Segeln, herrscht eine rauhe Sprache.“

Nach allem, was man, so liest, sind es Leute aus allen Teilen der Bundesrepublik, die ein Seemannsgrab verlangen. Mit anderen Worten: Eine Marktlücke tat sich auf und wurde geschlossen. Das macht doch wieder ein paar Leute satt.

Dies veranlaßte mich, die Geschichte des französischen Mark Twain namens Alphonse Allais wieder zu lesen, wo von einer besonderen Bestattungsweise die Rede ist. Allais beginnt damit, daß wir Menschen zu 90 Prozent aus Wasser bestehen. Das Wasser kann verdampft werden. Und was verdampft ist in alle Ewigkeit, braucht nicht mehr beerdigt zu werden. Es misse durch ein sinnvolles Verfahren. möglich sein, so liest man bei Allais, die restlichen, zehn Prozent so zu behandeln, daß sie in die Luft geschossen und als Feuerwerk am Himmel noch einmal knattern und aufleuchten, ehe sie sich endgültig verdunkeln und in Nichts auflösen. Unten steht dann die Trauergemeinde und sagt: „Ah ... !“