In Bonn soll nach der Bundestagswahl am 3. Oktober alles besser werden – wollen Gerüchte wissen. Eines davon besagt, Bundeskanzler Helmut Schmidt beabsichtige, seine Wiederwahl vorausgesetzt, die heillose Zersplitterung der Kompetenzen im Bereich der Gesundheitspolitik zu beenden.

In der Tat ist die Gesundheitspolitik, die in der kommenden Legislaturperiode eines der wichtigsten Themen der deutschen Innenpolitik werden dürfte, nicht etwa nur bei Katharina Fockes Gesundheitsministerium beheimatet, wie Außenstehende vermuten könnten. Vielmehr gebietet über den wichtigen Bereich der Krankenversicherung Arbeitsminister Walter Arendt – sicherlich der entscheidende Grund dafür, daß die Beziehungen zwischen den beiden Ministerien ziemlich schlecht sind.

Würde Schmidt eine sozialpolitische Flurbereinigung wagen, wäre er nicht der erste, der es versucht. Eine vernünftigere Zusammenfassung der gesundheitspolitischen Kompetenzen hatte bereits Altkanzler Konrad Adenauer angestrebt. Vielleicht auch, um seinem damaligen Arbeitsminister Theo Blank eins auszuwischen, hatte er 1961 seiner ersten Gesundheitsministerin, Elisabeth Schwarzhaupt, auch die Zuständigkeit für die Krankenversicherung angeboten – allerdings vergeblich.

Informierte Beobachter in der Bundeshauptstadt halten es für unwahrscheinlich, daß das Gesundheitsministerium gestärkt wird. Als ebenso unwahrscheinlich gilt freilich die gleichfalls wiederaufgetauchte Vermutung, die Gesundheitspolitik werde künftig ausschließlich dem Arbeitsminister unterstellt. Was wirklich geschieht, wird nach der Wahl wohl wiederum weniger die sachliche Notwendigkeit als die Koalitionsarithmetik entscheiden.

Wer die Bühne der aktiven Politik einmal verlassen hat, gerät oft erschreckend schnell in Vergessenheit. Ein Beispiel dafür ist Ludwig Rosenberg, der langjährige Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), der heute noch in der Düsseldorfer Niederlassung der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) ein Büro unterhält. Anruf in Rosenbergs Büro: Niemand meldet sich; Frage an die Telephonzentrale, wo Herr Rosenberg privat zu erreichen sei. „Wie heißt der Mann?“ „Rosenberg.“ „Wir haben hier einen Rosenberg, Ludwig, meinen Sie den?“

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