Während die Bahnreiseveranstalter seit einiger Zeit mit sorgenvoller Miene auf stagnierende oder gar rückläufige Buchungszahlen blicken, fährt die Deutsche Bundesbahn mit hausgemachten Touristikprogrammen unaufhaltsam ins Plus.

Die Städtereisen, vor sechs Jahren erfunden, um eine Marktlücke zu stopfen (es soll immerhin acht Millionen potentielle Wochenendurlauber geben), wurden ein großer Erfolg. Mehr als 100 000 Kunden konnten allein im vergangenen Jahr gewonnen werden, was einer Steigerungsrate von rund 35 Prozent entspricht. Durchschnittlich machten sich im Jahr 1975 an jedem Wochenende rund 2000 Städtetouristen per Bahn auf den Weg.

Einer der Gründe für die Wochenendeuphorie liegt zweifellos im Preis. Im Städtereiseangebot fährt der Gast beispielsweise für 201 Mark nach Kopenhagen, inklusive zwei Übernachtungen mit Frühstück. Eine einfache Rückfahrkarte von Frankfurt in die dänische Hauptstadt kostet allein schon 227 Mark.

Der Angebotskatalog für den Sommer 1976 umfaßt nun 42 Zielorte. Für sommerliche Stippvisiten werden erstmals Avignon, Salzburg und Stockholm angeboten. Auch eine Wochenendrundreise zu den drei Hansestädten Bremen, Hamburg und Lübeck ist neu im Programm. Allein für den Sommer rechnet die Bundesbahn mit 50 000 Buchungen. Der Nachfrage entsprechend haben die Bundesbahner außerdem die Aufenthaltsdauer für London, München und Wien auf sechs, für Paris auf acht Übernachtungen erweitert. Und wem die Wochenendtrips so gut gefallen, daß er sie in einem halben Jahr gleich fünfmal bucht, der bekommt als Stammkunde zur Belohnung einen Gratisaüsflag.

Verständlich, daß die DB nun ein neues Programm auf den Markt gebracht hat, das sie selbst auf dem Tiielumschlag des Katalogs „ein Juwel“ nennt: Pauschal ’76 – ein Kurzreisenprogramm der Bahn. Vom 1. April bis Inde Dezember können danach Reisepalete von drei oder sechs Übernachtungen in den deutschen Urlaubsgebieten Nordsee, Ostsee, Harz, Heide/Sauerland, Mosel/Rhein, Schwarzwald, Alpen, Bayerischer Wald und Spessart/Franken gebucht werden. Anreise wie im Städteprogramm mit fahrplanmäßigen Zügen, Unterkunft und Frühstück in Hotels der Standard-, Komfort- oder Luxusklasse. Dazu viele Vergünstigungen wie freier Eintritt ins Hallenbad, Ermäßigung beim Besuch von Museen und Sportanlagen oder ein Gratisdrink zur Begrüßung. Hier kostet eine dreitägige Reise nach Büsum an der Nordsee ab Frankfurt zum Beispiel 161 Mark in der Standardklasse mit drei Übernachtungen samt Frühstück. Für eine Rückfahrkarte würde man schon 164 Mark ausgeben müssen.

Macht die Deutsche Bundesbahn den Bahnreiseveranstaltern durch ihre eigene Touristik Konkurrenz? Die Experten bei der Bahn weisen diesen Vorwurf weit von sich. Ihre Angebote, behaupten sie, hörten schließlich dort auf, wo das der anderen beginne: bei einer Woche Aufenthaltsdauer. us