Gruppen-Management als betrieblicher Führungsstil

Von Ulrich Schmidt

Mit Francisco Francos Tod ist die politische Ein-Mann-Herrschaft in Westeuropa ausgestorben. Unter den Wirtschaftlern dieses Kontinents jedoch gibt es noch eine ganze Menge Männer der einsamen Entschlüsse. Einige von ihnen praktizieren einen Führungsstil, der an Grotesken aus dem zaristischen Rußland erinnert.

Eines der farbigsten Beispiele ist Horst Bentz, der 71jährige Inhaber des Melitta-Konzerns in Minden, der unumschränkte Herrscher über 9000 Melitta-Untertanen. „Ihr Idioten!“ tituliert er seine engsten Mitarbeiter; seine drei nur gelegentlich leise aufmuckenden Söhne nennt er „Trottel“. Die Belegschaft gängelt er mit kuriosen Arbeitsanweisungen, die zu einem Buch „Block und Blei“ zusammengefaßt sind: „Jeden Morgen bei Beginn der Arbeit wird in der Spalte ‚Datum‘ der vergangene Tag kräftig diagonal von unten links nach oben rechts durchgestrichen ...“ Er kontrolliert die Schreibtische und überwacht die Telephongespräche.

Einzelgänger am Ende

Sich um die Details zu kümmern „ist meine Stärke“, sagt Bentz. Aber auch die Pannen im großen Stil, die millionenschweren Fehlinvestitionen werfen ihn nicht um: „Ich hafte, also entscheide ich.“ Einer seiner verantwortlichen Untergebenen erklärte einem Reporter des Wirtschaftsmagazins „Capital“: „Wenn Sie wüßten, was mit unserem Melitta-Filter immer noch für Geld verdient wird, dann könnten Sie sich erst vorstellen, was für Mist Bentz unter diesem Mantel fabrizieren kann.“

Zum Glück für die bundesdeutsche Volks wirtschaft werden Hobby-Diktatoren wie Bentz und dilettierende Einzelgänger wie Glöggler, Herstatt und Schlieker immer seltener. Immer mehr setzt sich, wie in den USA so auch hierzulande, das Gruppen-Management durch, zumal in den großen Betrieben und am ehesten bei solchen, die nicht durch Rücksicht auf Gründerfamilien gebremst werden.