Sehenswert

„Sternsteinhof“ von Hans W. Geissendörfer. Es gibt den kitschigen, konservativen Heimatfilm der Adenauer-Ära, den „kritischen Heimatfilm“ Ende der sechziger Jahre und nun eine Anzengruber-Verfilmung, die beides ist und mehr: der Versuch, ein etwas ausgeleiertes Trivialgenre ernst zu nehmen. Ein Bauerndrama: Die arme Leni will den reichen Toni, weil der den großen Sternsteinhof erbt. Doch erst heiratet sie den Muckerl und der Toni die Sali. Muckerl und Sali sterben, da hilft sie ein bißchen nach, so ist der Weg nach oben frei. Doch Leni ist kein Biest und Muckerl, der Herrgottschnitzer, kein Engel: Geissendörfer vermeidet die naheliegende Schwarzweißmalerei ebenso wie das folkloristische Spektakulum oder die aufdringliche Politparabel. Arme Leut’ und reiche Bauern, Gewitter, neblige Wälder, Dorftanz und strenge alte Sitten, das alles ist geblieben; aber das soziale Gefüge ist genau, die Gefühle und Motive sind nachvollziehbar, die Handlung ist aufbereitet wie ein Krimi.

Wolf Donner

Mittelmäßig

„Der Zigeuner“ von José Giovanni. Zu authentischen Zigeunerklängen von Django Reinhardt begibt sich eine gewalttätige Ballade um Freundschaft und Verrat, die beiden bevorzugten Themen des französischen Unterweltkinos. Doch seit der einstige Außenseiter Giovanni mit Millionen-Budgets und Star-Ensembles operieren darf, verkommt sein wilder Romantizismus mehr und mehr zu einer beliebigen Folie marktkonformer Action-Storys. Wie schon in „Endstation Schafott“ resigniert der Regisseur von so schönen Filmen wie „Der Kommissar und sein Lockvogel“ und „Die im Dreck verrecken“ vor den eitlen Gesten des routinierten Selbstdarstellers Alain Delon, der auch mit Schnauzbart und langer Mähne so glatt und blasiert wirkt wie ein alternder Partylöwe. Allein Paul Meurisse bringt ein wenig von der Atmosphäre früherer Giovanni-Filme in das ansonsten arg sterile Werk ein.

„Tarzoon – Schande des Dschungels“ von Picha und Boris Szulzinger. Die belgische Zeichentrickfabrik, aus der auch die Asterix-Filme und „Lucky Lake“ stammen, zeichnet sich nicht eben durch graphische Originalität aus. Die Tarzan-Parodie des Kartonisten Picha, vom Verleih mit dem sonnigen Slogan „Hier ist mehr als die Banane krumm“ offeriert, versucht die Verquickung von pointierter Satire auf Massentourismus und Umweltverschmutzung mit saftiger Sexualsymbolik und planer Pornographie. Leider treibt die deutsche Kalauersynchronisation dem im Original immerhin leidlich lustigen Film den letzten Rest an Witz und Charme aus.

„Wo, bitte, geht’s zum nächsten Friedhof?“ von Georges Lautner ist eine atemlose Klamotte, der man kaum anmerkt, daß ihr Regisseur in den sechziger Jahren mit Filmen wie „Das schwarze Monotel“, „Radieschen von unten“, und „Nimm ’s leicht, nimm Dynamit“ brillanten schwarzen Humor produziert hat. Aber inzwischen klotzt Lautner nur noch mit lautstarker Situationskomik und ermüdenden Autoverfolgungsjagden, ersetzt die lakonisch makabien Gags von einst durch eine pompöse Materialschlacht, in der die Geschichte witzlos untergeht.