DIE ZEIT

Skandal in Leipzig

Der deutsch-deutsche Eklat auf der Leipziger Messe hat wieder einmal die Kluft zwischen Anspruch und Realität in der DDR aufgezeigt.

Good-bye Wilson

Eine Nation, die keinen Napoleon, keinen Hitler, nicht einmal einen Mussolini hervorgebracht und einschlägige Anwandlungen mit Oliver Cromwell vor mehr als dreihundert Jahren abgebüßt hat, denkt über den bloß pragmatischen Politiker anders als wir Deutsche, die wir gern Weitsicht, Grundsätze, Programmtreue und unbiegsames Rückgrat verlangen.

Zeitspiegel

Ein der polnischen Sprache kundiger Zeitgenosse hat sich Gedanken darüber gemacht, wie die Polen wohl das umstrittene Wort „können“ in dem Brief Außenminister Genschers übersetzt haben.

Der Deutsche: still und voller Energie

Als am vergangenen Freitag die Polen-Verträge den Bundesrat passiert hatten, spendierte er sich und seinen Mitarbeitern zwei Flaschen Sekt; dann eilte er ins polnische Außenministerium.

Der Pole: alle Hände voll zu tun

Das Wörtchen „groß“, so heißt es in der polnischen Botschaft, sei eigentlich zu klein, um die Erleichterung über das Ja des Bundesrats zu beschreiben.

Sie wollen Deutsche sein

Vorläufig treffen noch immer nur 1500 Umsiedler aus Polen ein – Planziel: 2500

Aus der Asche auferstanden

Es geschieht nicht oft, aber diesmal passierte es: Franz Josef Strauß waren die Zügel entglitten. Kurz bevor Ministerpräsident Alfons Goppel am Freitagmittag im Bundesrat in Bonn für Bayern "Ja" sagte, schwor Franz Josef Strauß in München den CSU-Landesvorstand noch einmal auf ein "Nein" zum Polenvertrag ein.

Tollhaus Libanon

Über den Libanon, das gebeutelte, gepeinigte Ländchen zwischen Amboß und Hammer, müßte eine Strichliste geführt werden. Anders läßt sich das Chaos, das zu einem Dauerzustand geworden ist, nicht einmal in seinen Umrissen beschreiben.

Heißes Geschäft mit Kernwaffen

Mehrere Senatoren haben in der vergangenen Woche Außenminister Henry Kissinger aufgefordert, Frankreich und der Bundesrepublik kurzerhand den Lieferstrom von Uranbrennstoff für Kernkraftwerke abzuschneiden.

Das Zauberwort heißt Stärke

Als sich in der Nacht zum Mittwoch ein neuer Erfolg für ihn abzeichnete, ließ Gerald Ford durch einen Sprecher seine Begeisterung verkünden.

Ehrenrettung für Oberst Beck

Beim Streit um die Polen-Abkommen wurde immer wieder daran erinnert, womit alles angefangen habe: an Hitlers leichtfertig vom Zaun gebrochenen Eroberungskrieg im September 1939.

Mißtrauisch, mit Zartgefühl

"Hinein!" rief Herbert Wehner und komplimentierte Hans-Dietrich Genscher in den Fraktionssaal der SPD. Der Außenminister, der nach der Zustimmung des Bundesrats zu den Polenverträgen zusammen mit dem Kanzler bei den Genossen erschien, wurde mit betont herzlichem Beifall begrüßt.

Sadats Bruch mit den Sowjets

Mit Hilfe des ihm willfährigen Parlaments hat Ägyptens Staatschef Sadat zum Wochenbeginn vollzogen, was schon seit langem erwartet worden war: die Aufkündigung des sowjetisch-ägyptischen Freundschaftspaktes, im Mai 1971 für 15 Jahre geschlossen.

Römisches Zünglein

Wo Ohnmacht allenthalben um sich greift, wird selbst geringste Kraft zum Ereignis halber Stärke. Der Stimmenanteil der Sozialdemokraten war seit ihrer Lostrennung von den Sozialisten vor sieben Jahren auf kaum sechs Prozent geschrumpft.

Die Strafvollzugs-Reform steckt noch in den Anfängen. Dennoch verstärken die Gegner ihren Widerstand. Gräfin Dönhoff schrieb dazu in der letzten Ausgabe. Der heutige Beitrag untersucht die Frage, ob es eine Alternative zur menschlichen Strafe gibt.: Mit Vergeltung ist es nicht getan

Die Zuschauer des dritten NDR-Fernsehprogramms erlebten am Dienstag letzter Woche eine kleine Sensation. Sie wurden Zeugen einer Live-Sendung aus dem Knast, wie es sie so zuvor in der Bundesrepublik noch nie gegeben hatte.

Rückzieher vom Rechnungshof

Ende 1974 hatte der Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen auf Wunsch von Ministerpräsident Heinz Kühn einer außerplanmäßigen „Verpflichtungsermächtigung“ von 1,3 Millionen Mark und überdies einer Haushaltsüberschreitung von nahezu 400 000 Mark zugestimmt.

Wolf gang Ebert: Gestörte Leitung

Wie kam es am vorigen Freitag zu dem Mißverständnis zwischen der CSU-Landesleitung und der bayerischen Staatsregierung? Wenn ich die Sache recht verstanden habe, war der Hauptschuldige an dieser Panne das Telephon.

Die Sache mit Ernst

Ein Politik-Professor kombinierte ahnungsvolle Theorie und theoretische Ahnung. Einen Abgeordneten will er damit nun in die Enge treiben.

Millionen kassiert

Ein schönes Beispiel kommunaler Mißwirtschaft ist in Köln bekannt geworden: Neunundneunzig Jahre lang muß die Domstadt 225 000 Mark Pachtgeld jährlich für einen Acker zahlen, der vorschnell für den Bau eines nun nicht mehr gebrauchten Krankenhauses gepachtet worden war.

Ehe aus Vernunft

In lauen Sommernächten singt und klingt es von „alter Burschenherrlichkeit“ aus den offenen Fenstern ehrwürdiger Verbindungshäuser.

Auf Gedeih und Verderb

Das alte Heilige Reich zählte zur Zeit des Westfälischen Friedens 121 mehr oder minder selbständige Territorien unter weltlicher Herrschaft, 46 Territorien unter geistlicher Herrschaft und 56 Reichsstädte.

Immer neue Enttäuschungen

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Kommentar veröffentlicht werden, der sich mit den Problemen beschäftigt, die uns ein Aufschwung bescheren könnte – etwa mit der Frage, ob niedrige Lohnabschlüsse heute und steigende Unternehmensgewinne im Herbst zu sozialen Unruhen und wilden Streiks führen könnten.

Schwache Wirtschaft, schwaches Geld

Vor ein paar Wochen machte Wirtschafts- und Finanzminister Jean-Pierre Fourcade noch Scherze: „Abwertung? Das Wort kenne ich nicht!“ Doch mit den üblichen Dementis ließ sich das vertraute Gespenst auch diesmal nicht bannen.

Unnötige Verzögerung

An der Lohnfront herrscht Verwirrung. In Stuttgart wurde für die Metallindustrie von Nordwürttemberg-Nordbaden ein Kompromiß gefunden: 5,4 Prozent Lohnerhöhung; doch in anderen Bezirken scheiterten die Verhandlungen.

BONNER KULISSE

In Bonn soll nach der Bundestagswahl am 3. Oktober alles besser werden – wollen Gerüchte wissen. Eines davon besagt, Bundeskanzler Helmut Schmidt beabsichtige, seine Wiederwahl vorausgesetzt, die heillose Zersplitterung der Kompetenzen im Bereich der Gesundheitspolitik zu beenden.

Keinen Penny

Die Bundesregierung leistet seit Jahresbeginn Zahlungen an den Haushalt der Europäischen Gemeinschaft nur noch unter Vorbehalt.

Großbritannien: Kein Heimweh nach der Insel

Britische Manager, die im Ausland arbeiten, mögen zwar ab und zu von Sehnsucht nach der Insel gepackt werden. Aber das Heimweh läßt nach, wenn sie sich ausrechnen, welche Gehälter zu Hause auf sie warten: Immer mehr britische Unternehmen machen die Erfahrung, daß sich die Entsendung von Führungspersonal in ausländische Tochtergesellschaften zu einer Einbahnstraße entwickelt, weil die Zahl der Heimkehrer abnimmt.

Computer an die Kette

Was der englische Schriftsteller George Orwell als Zukunftsvision für „1984“ beschrieben hat, inzwischen aber längst zu einer Realität des Alltags geworden ist, das will der Deutsche Bundestag nun reglementieren – der alles ausspähende Große Bruder soll mit einem „Bundesdatenschutzgesetz“ reglementiert werden, das inzwischen so weit gediehen ist, daß es im Frühjahr verabschiedet werden kann.

Packt Quandt eine Schachtel?

Ohne ihn wäre das weiß-blaue Autounter – nehmen aus der Existenzkrise der Jahre 1959/60 nie zu neuem Glanz aufgestiegen. Herbert Quandt, der schweigsame Industrielle aus Bad Homburg, hat auf die Bayerischen Motorenwerke AG schon zu einer Zeit gesetzt, als ein finanzielles Engagement bei ihr abenteuerlich erscheinen mußte, und seinen Einsatz Jahr um Jahr erhöht.

Stellungskrieg um die Veba

Heinz P. Kemper, noch bis zur Hauptversammlung im August Aufsichtsratsvorsitzender der Veba AG, hielt die schützende Hand über seinen Zögling: Als sich der Veba-Vorstandsvorsitzende Rudolf v.

Noch Chancen an der Wallstreet?

Dreimal in seiner über 90jährigen Geschichte hat der Dow Jones, beliebtester Index der amerikanischen Aktienbörse, die Marke tausend gestreift, nämlich Ende 1966, Anfang 1973 und am 11.

ZEIT spart Geld

Die Schwierigkeiten der gesetzlichen Rentenversicherungen sind nur durch einen Abbau bisher gemachter Leistungszusagen zu überwinden.

Ausländer geben den Ton an

An der deutschen Börse dauerte die Kursschwäche, ausgelöst durch die Abwertung des französischen Franc, nur wenige Stunden. Schon am Dienstag kam es wieder zu steigenden Kursen, in manchen Papieren zu Hausse-Sprüngen.

Revolutionär

Zwischen den französischen Banken droht ein erbitterter Kleinkrieg auszubrechen. Die Ursache: Zwei Volksbanken führen demnächst für ihre sechs Millionen Kunden den eurocheque ein, der den Franzosen bisher unbekannte Vorteile eröffnet.

Bischöfe, Banken und Bantus

Eine Gruppe kirchlicher Aktionäre der Midland Bank – von der methodistischen Kirche bis zum Karmeliterkloster in Quidenham – verlangt von der Großbank, der südafrikanischen Regierung oder anderen staatlichen Körperschaften keine Kredite mehr zu geben.

Manager & Märkte

Albert Osswald, hessischer Ministerpräsident, zeigte sich dickfällig in Sachen Hessische Landesbank (siehe ZEIT Nr. 12). Als stellvertretender Vorsitzender der Gewährträgerversammlung der Hessenbank hatte er an einer Sitzung teilgenommen, auf der dieses oberste Gremium der Bank über die Mitverantwortung des Verwaltungsrats an verlustreichen Geschäften der Vergangenheit beraten hat, dessen Vorsitzender Albert Osswald war.

Erstmals geht’s wieder bergab

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik müssen die Arbeitnehmer in diesem Jahr einen Kaufkraftschwund ihrer Löhne hinnehmen, wenn die Vorausschätzungen der meisten Sachverständigen zutreffen.

Vorerst noch keine Aufträge

Matthöfer: Das sieht man am besten an den Gebieten, auf denen schon bisher ein Austausch von Delegationen vereinbart wurde. Da ist einmal die Grundlagenforschung, die auf unserer Seite vor allem durch die Max-Planck-Gesellschaft wahrgenommen wird.

Zwischen Cowboys und Banditen

Gutsherren, Geldadel, Makler und Spekulanten haben in den USA ein Millionengeschäft mit Weizen und Tomaten, Rindern und Reis entdeckt.

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