Von Rudolf Herlt

Sechs Monate lang hat Helmut Geiger, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, heldenhaften Widerstand geleistet. Am Dienstag dieser Woche sind jedoch Ereignisse eingetreten, die ihn zur Kapitulation zwangen. Die Folge wird sein, daß alle Banken und Sparkassen für Geld auf Sparbüchern künftig ein halbes Prozent weniger Zinsen zahlen werden als bisher.

Das auslösende Ereignis war die Sitzung des Bundesanleihe-Konsortiums, eine Versammlung führender Vertreter des Kreditgewerbes und der Bundesbank, die über die Bedingungen einer neuen Anleihe beraten haben. Bisher hat sich der Bund bei seinen Bürgern Geld zu acht Prozent leihen können, wenn er bereit war, das Geld nach acht Jahren zurückzuzahlen. Nur 7,62 Prozent mußte der Bund zahlen, wenn er das Geld nach fünf Jahren zurückzuzahlen versprach.

Angesichts der Ungewißheit über die Entwicklung des Geldwertes war niemand bereit, gesparte Summen für länger als acht Jahre auszuleihen. Dabei haben die Menschen im Lande gespart wie nie zuvor. Das Angebot an Kapital war also groß, nicht nur aus inländischen Quellen, sondern auch aus dem Ausland. Der Bund hatte im letzten Jahr kräftig zugelangt und damit schon einen Teil seines diesjährigen Kapitalbedarfs befriedigt. Die Unternehmer kommen noch immer ohne geliehenes Kapital aus.

Bei dieser Marktlage hat sich das Anleihekonsortium entschlossen, die Bedingungen der neuen Bundesanleihe zu ändern. Sie wird wieder in zwei Tranchen aufgelegt. Die eine mit achtjähriger Laufzeit wird mit einem Nominalzins von 7,5 Prozent ausgestattet sein, die zweite mit fünfjähriger Laufzeit wird sieben Prozent bringen. Damit ist der längerfristige Kapitalzins um ein halbes Prozent auf 7,5 Prozent gesunken, für kürzere Laufzeiten sind sogar schon sieben Prozent marktgerecht.

Das ist wohl das vorläufige Ende einer rasanten Talfahrt des Kapitalzinses, der innerhalb von anderthalb Jahren von zehn auf 7,5 Prozent gefallen ist. Wolf gang Röller, Vorstandsmitglied der Dresdner Bank und Mitglied im zentralen. Kapitalmarktausschuß, erklärte dazu kürzlich gegenüber den Vereinigten Wirtschaftsdiensten: „Damit kommt der Markt nach einer Periode zum Teil hektischer Zinssenkung in eine Bewährungsprobe und sollte sich auf diesem Niveau für einige Zeit nachhaltig stabilisieren.“

Daraus müssen nun für den Sparzins Konsequenzen gezogen werden. Früher haben sich bei ähnlichen Anlässen Vertreter der Spitzenverbände der Kreditwirtschaft – des Bundesverbandes deutscher Banken, des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und des Zentralverbandes genossenschaftlicher Banken – zusammengesetzt und den neuen Spareckzins beschlossen. Diesen Namen hat der Zins für Spareinlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist wegen seiner Ecksteinfunktion erhalten. Von ihm aus wird der ganze Fächer der Spareinlagen mit verschieden langen Kündigungsfristen berechnet. Wird der Eckzins verändert, wandelt sich der ganze Fächer.