Immer mehr britische Manager zieht es auf den europäischen Kontinent

Britische Manager, die im Ausland arbeiten, mögen zwar ab und zu von Sehnsucht nach der Insel gepackt werden. Aber das Heimweh läßt nach, wenn sie sich ausrechnen, welche Gehälter zu Hause auf sie warten: Immer mehr britische Unternehmen machen die Erfahrung, daß sich die Entsendung von Führungspersonal in ausländische Tochtergesellschaften zu einer Einbahnstraße entwickelt, weil die Zahl der Heimkehrer abnimmt.

„Wenn wir einen vielversprechenden Manager in der mittleren Kategorie“, so klagt Rowland Wright, Chef des britischen Chemiekonzerns ICI, „auswählen, um ihm Auslandserfahrung zu geben, und ihn nach drei oder vier Jahren für eine höhere Position in Großbritannien wieder zurückhaben wollen, dann gibt es, aus ziemlich offenkundigen Gründen, Schwierigkeiten.“ ICI-Managerkollege Raymond William Pennock nennt die Schwierigkeiten beim Namen: „Mit der Beförderung halbiert sich das Gehalt nach Steuern.“

Der Chemiekonzern, der über die Hälfte seines Umsatzes von umgerechnet mehr als 15 Milliarden Mark im Ausland erzielt und über umfangreiche Produktionsstätten in Europa, Amerika und Südafrika verfügt, hat einen Gehaltsvergleich für Personen gleichen Ranges versucht: Auf dem europäischen Kontinent und in den USA bekommt danach ein junger Wissenschaftler rund 50 000 Mark im Jahr, in Großbritannien nur 30 000. Ein Werksleiter kann auf dem Kontinent oder in Amerika mit 160 000 Mark rechnen und nimmt davon rund 80 000 Mark mit nach Hause; sein britischer Kollege muß sich mit einem Bruttogehalt von etwa 80 000 Mark zufriedengeben. Noch ungünstiger sieht es für die Briten bei einem Vergleich nach Steuern, also der Nettoeinkommen aus.

Für den ICI-Konzern ist es deshalb nicht gerade einfach, wenn einer von den 400 ins Ausland entsandten ICI-Briten wieder zur Heimkehr bewegt werden soll. Der „Ausländer“ hat nämlich seinen Lebensstil an seinem Nettoeinkommen ausgerichtet. Die Beförderung muß schon sehr steil nach oben führen, um gleiches Einkommen zu garantieren – und bringt dann meist das heimische Karrieresystem in Unordnung. Denn es paßt nicht in die Hierarchie, wenn ein Heimkehrer ein höheres Einkommen hat als sein Vorgesetzter.

Noch schwieriger ist die Rekrutierung von Managern anderer Industrieländer für eine Position in Großbritannien. Die jüngste Umfrage einer britischen Personalvermittlungsfirma ergab, daß der Geschäftsführer eines metallverarbeitenden Unternehmens mit einem Jahresumsatz von 150 Millionen Mark in Großbritannien ein Jahressalär von 90 000 Mark erhält, ein ihm vergleichbarer Manager in Holland, Deutschland, Frankreich und Belgien jedoch zwischen 160 000 und 180 000 Mark.

Gelegentlich machen deshalb britische Industrielle, wenn sie ausländische Firmen übernehmen, überraschende Entdeckungen. Tube Investments, einer der größten britischen Stahlverarbeitungskonzerne, erwarb vor kurzem die kleine deutsche Firma Interdomo, die Heizungsanlagen herstellt. Dabei stellte der Tube-Chef Lord Plowden, der fast 70 000 Beschäftigte und beinahe drei Milliarden Mark Umsatz dirigiert, fest, daß der Geschäftsführer der deutschen Firma, die mit 400 Beschäftigten rund 35 Millionen Mark umsetzt, 85 000 Mark mit nach Hause nimmt, während ihm selbst von fast 250 000 Mark Gehalt nach Steuern nur 70 000 Mark übrig bleiben. Der Lord nutzte diesen Fall, um in einer Fernsehdiskussion zu demonstrieren, was sein Kollege Wright von ICI die „erbärmlich niedrige“ Honorierung der britischen Manager nennt.