Freiburg: „Ulrich Erben“

Inwendige Bilder: Bilder, die nicht mehr sein wollen als Bilder, die keine mitgemeinte Bedeutung, die in ihnen verschlossen liegt, beanspruchen, keine geheimnisvollen Botschaften, die es zu entschlüsseln gälte. Erbens Malerei meint sich allein, ist sich Gegenstand genug. Er hat das Spektrum seiner Malmittel so radikal verengt, daß keine illusionistischen Wirkungen mehr entstehen können. Grundproblem ist ihm immer das Spannungsgeschehen verschiedener, reliefartig modellierter Farbflächen zueinander: Binnenfläche und Grundfläche, die sich nicht wie Figur und Bildträger verhalten, sondern als Einheit zu sehen sind, als „Tatsache Malerei“, wie Erben sagt. Einfache, fast monochrome Strukturen ergeben sich aus den farblichen Abstufungen des Flächengefüges. Die Farbe hat körperhafte Eigenschaften, zeigt sich verwischt, ausgeflossen oder in Lagen geschichtet als reine Farbmaterie. Mal sinkt sie ein in weite, ruhige Umfelder, mal tritt sie erhaben aus ihnen hervor, bildet rissige oder mit Tesa-Streifen begradigte Kanten. Solch fundamental konzentrierte Gestik hält dann auch in Erbens analytischer, bloß sich selbst repräsentierender Malerei noch Überraschungen und vielfältige, sinnliche Erfahrungsmöglichkeiten offen. Denn daß diese Bilder Bilder sein wollen und nicht mehr, macht sie noch nicht abweisend und fremd. Die Geschlossenheit ihres Selbstverständnisses gibt ihnen zwar ein geradezu utopisches Maß an Autonomie. Aber genau diese ihre Freiheit ist auch die Freiheit des Betrachters. (Kunstverein Freiburg bis 28. März)

Hans-Joachim Müller

München: „Paris 1900 – Farbige Lithographien von Toulouse-Lautrec, Bonnard und Vuillard“

Im Mittelpunkt dieser zauberhaften Ausstellung, die eine Anzahl von Meisterwerken der drei fast gleichaltrigen Künstler vereinigt (Herbert Pée, der Leiter der Münchner Staatlichen Graphischen Sammlung, hat die Blätter ausgewählt), stehen Serien von Farblithos: Toulouse-Lautrecs „Elles“, Bonnards „Quelques Aspects de la Vie de Paris“ und Vuillards „Paysages et Intérieurs“, entstanden zwischen 1896 und 1899. Toulouse-Lautrec, das zeigt sich deutlich, blieb auch dann Zeichner, wenn er mit der Lithographenkreide arbeitete: Seine Linie deutete nur an, Farbe hat er – in den „Elles“, Szenen aus einem Bordell – sparsam verwendet, aber mit einem atemraubenden Raffinement. Bonnard – der wie Vuillard statt dessen mehr den malerischen Gesamteindruck sah – hat in seinem Pariser Ansichten die Großstadt mit den Augen des Flaneurs beobachtet. Vuillard wiederum machte in seinen Landschaften und Innenräumen“ den Gegensatz von Stadt und Land zum Thema, er differenzierte das unterschiedliche Erlebnis der beiden Welten auch künstlerisch. (Museum Villa Stuck bis zum 25. April)

Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen